Der folgende Text gibt den Wortlaut unseres Infodienstes Nr. 23 vom Februar 1998 wieder, den alle Bund-Naturschutz-Mitglieder der Kreisgruppe Landshut in gedruckter Form erhalten haben.
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| Nr. 23 | Februar 1998 |
Wildbienen
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Wenn über Bienen gesprochen wird, denken die meisten Menschen an die Honigbiene. Dabei ist diese nur eine aus einer Vielzahl von Bienenarten; sie ist lediglich die einzige domestizierte Art, deshalb werden alle anderen als "Wildbienen" bezeichnet. Fast jeder hat schon Wildbienen gesehen, aber nur selten werden sie als solche erkannt, sondern mit Fliegen, Wespen oder anderen Insekten verwechselt. Nur die Hummeln, die auch zu den Wildbienen gehören, sind wohl jedem geläufig. Wildbienen werden, wie z.B. auch die Ameisen und Wespen, in die Ordnung der Hautflügler gestellt. Von allen ihren Hautflügler-Verwandten unterscheiden sie sich vor allem dadurch, daß sie sich und ihre Brut rein vegetarisch von Blütenpollen und Nektar ernähren.
Nur die wenigsten Wildbienen leben wie die Honigbiene in sozialen Gemeinschaften, wie etwa die Hummeln und die
Furchenbienen - die meisten Arten leben solitär, d.h. jedes Weibchen baut ihre eigenen Nistanlagen. Einige
Gattungen sind allerdings Brutschmarotzer; sie werden unterdem Begriff Kuckucksbienen zusammengefaßt, weil
sie wie der Kuckuck ihre Eier in fremde Nester legen. Die meisten Wildbienen errichten ihre Nistanlagen in der
Erde, etliche nagen sie in das Mark dürrer Stengel, andere benutzen vorhandene Hohlräume wieKäferfraßgänge
oder Felsspalten, einige sind auf verlassenen Eichengallen oder Schneckenhäuser spezialisiert, wieder andere
mauern ihre Brutzellen aus Lehm oder Harz. Es ist allgemein bekannt, daß die Honigbiene neben ihrer Honigproduktion
noch eine zweite, wesentlich wichtigere Funktion erfüllt: die Bestäubung von Blumen und Bäumen.
In dieser Beziehung kommt den Wildbienen eine größere Bedeutung für den Naturhaushalt zu, da sie
aufgrund ihrer Artenfülle ein viel größeres Spektrum
bei der Bestäubung von Blumen, Sträuchern
und Bäumen abdecken. Dazu kommt noch, daß viele Pflanzen während der jahrmillionenlangen gemeinsamen
Entwicklung mit den Bienen ihre Blüten an die speziellen Mundwerkzeuge ganz bestimmter Bienengattungen angepaßt
haben, so daß sie zur Bestäubung vollkommen auf diese angewiesen sind und umgekehrt auch etwa ein Drittel
aller heimischen nestbauenden Wildbienen auf ganz bestimmte Blumen spezialisiert sind und ohne diese nicht existieren
können.
Etliche Wildbienen, insbesondere die Hummeln, besuchen Blüten noch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, wenn Honigbienen den Stock schon längst nicht mehr verlassen, so daß bei Frostperioden während der Obstblüte die Ernte durch kälteresistente Wildbienenarten wenigstens teilweise gerettet werden kann. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber sämtliche Wildbienen unter Schutz gestellt.
In Bayern sind - oder besser waren - etwa 490 Arten heimisch; fast 70 davon sind bereits verschwunden. Insgesamt
stehen 80% aller heimischen Wildbienenarten auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Die Ursachen für
diesen Artenschwund liegen wie bei den meisten bedrohten Tierarten in der fortschreitenden Zerstörung ihrer
Lebensräume. Die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung von leicht
zu bewirtschaftenden Flächen wie
Hanglagen, Mager- oder Feuchtstandorten verursacht eine katastrophale Verarmung der Blütenvielfalt und damit
der Bestäuberinsekten, was besonders die oben erwähnten Blütenspezialisten schwer trifft.
Auch der Mangel an geeigneten Nistplätzen macht den Wildbienen zu schaffen: Aus Gründen der Rationalisierung und Intensivierung oder aus einem fragwürdigen Ordnungssinn heraus wurden oft für die Nestanlage wichtige Kleinstrukturen zerstört. Heutzutage errichtete Mauern weisen keinerlei Hohlräume mehr auf wie die Stein- oder Lehmmauern früherer Zeiten, Sand- und Lehmgruben werden nach Beendigung des Abbaus in aller Regel verfüllt und der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt. Morsche oder abgestorbene Bäume und Äste werden aus der Landschaft entfernt und die Wildbienen somit ihrer Nistmöglichkeiten beraubt. Auch der Konkurrenzdruck von seiten der Honigbiene, die durch ihre hohe Individuendichte, durch die Wärmeregulierung im Stock und die dadurch mögliche längere Tagesaktivität, durch die Fähigkeit, Informationen auszutauschen und durch ihre Anspruchslosigkeit in Bezug auf ihre Nahrungsquellen einen enormen Wettbewerbsvorteil verfügt, verschärft die Lage der Wildbienen noch weiter.
Wildbienenschutz
bedeutet in erster Linie Schutz ihrer Lebensräume. Neben klimatischen Gegebenheiten stellen Wildbienen an
ihr Habitat zwei Hauptbedingungen: Es muß geeignete Nistplätze und ein ausreichendes Angebot an Futterpflanzen
enthalten.Viele Arten wurden durch die Zerstörung ihrer ursprünglichen Lebensräume auf Ersatzhabitate
verdrängt. Sollten auch diese vernichtet werden, ist diesen Arten die Existenzgrundlage endgültig entzogen.
Neben der Pflege und Erhaltung wichtiger Lebensräume (Waldränder, Feldhecken, extensiv bewirtschaftetes
Grünland wie z. B. Streuobstwiesen, kleine Sand und Lehmabbaustellen, blütenreiche Feldraine und Gewässerränder,
Rohbodenstandorte, Totholz, Trockenmauern...) können besonders in Hausgärten und auf Balkonen Nisthilfen
angebracht werden und das Nahrungsangebot verbessert werden, beispielsweise durch den Verzicht auf Pflanzen fremdländischer
Herkunft und die Duldung bzw. das bewußte Anpflanzen einheimischer Wildpflanzen (die selbstverständlich
nicht aus der Natur entnommen, sondern über den Fachhandel bezogen werden sollen). Wer z.B. eine kleine Trockensteinmauer
besitzt (Nistplatz), in seinem Gewürzbeet Rosmarin oder Herzgespann (Pollenquelle) und in einer anderen Ecke
seines Gartens Königskerze oder Wollziest (Lieferanten von Pflanzenwolle als Nistmaterial) blühen läßt,
kann mit hoher Wahrscheinlichkeit das ausgeprägte Revierverhalten von Wollbienen beobachten. Und wer Glockenblumen
in seinem Garten hat, kann durch das Bereitstellen von Nisthilfen fast immer Scherenbienen ansiedeln.

Verschiedene Nisthilfen lassen sich mit einfachsten Mitteln herstellen:
Alle Nisthilfen sollen fest angebracht sein (also nicht frei baumeln können) und an einem witterungsgeschützten,
sonnigen Platz aufgestellt werden, die Nistgänge in waagrechter Orientierung, markhaltige Stengel auch senkrecht.
Schließlich trägt auch der Verzicht auf Insektenvernichtungsmittel zum Wildbienenschutz bei, da selbst
sogenannte bienenverträgliche Mittel nicht unbedingt auch für Wildbienen ungefährlich sein müssen.
Aber auch wenn Naturgärten für viele Wildbienenarten wertvolle Ersatzlebensräume sein können,
so sind sie es doch längst nicht für alle; daher muß das langfristige Ziel nicht nur des Wildbienenschutzes,
sondern des Natur- und Umweltschutzes allgemein die Wiederherstellung einer vielfältig strukturierten Landschaft
sein, in der auch extensiv genutzte Wiesen, blütenreiche Feldraine, breite Wald- und Heckensäume, Brach-
und Ruderalflächen usw. ihren Platz haben.
Text und Grafik: Erwin Scheuchl. Zuletzt bearbeitet am 25.1.1998
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