Der folgende Text gibt den Wortlaut unseres Infodienstes Nr. 8 vom Februar 1991 wieder, den alle Bund-Naturschutz-Mitglieder der Kreisgruppe Landshut in gedruckter Form erhalten haben.
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| Nr. 8 | Februar 1991 |
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der kalten Jahreszeit am Fenster zu sitzen, um von der Stube aus, bei Schnee und Eis Vögel zu beobachten,
kann für Kinder lehrreich und interessant sein Besonders auch alten, kranken, behinderten und einsamen Menschen
bietet das Beobachten der Vögel eine willkommene Abwechslung. Oft ist es dann für sie im Winter der einzige
Kontakt zur Natur, auf dem Balkon oder Fensterbrett die Vogel zu füttern. Das maßvolle und sachgerechte
Füttern ist sicher vertretbar zur Vogelbeobachtung in diesen Fällen.Die Kinder sehen die Tiere aus nächster
Nähe und den bereits genannten Menschen bereitet es eine Freude.
Leider herrscht häufig der Irrglaube vor, daß unsere Vogelwelt das winterliche Futter aus Menschenhand
zum Überleben brauche. Dies ist in der Regel nicht der Fall. Aus Gründen des Artenschutzes ist eine Fütterung
nicht notwendig. Denn an die Futterhäuschen kommen meist nur Vögel, die bei uns häufig vorkommen,
z. B. Blaumeise, Kohlmeise, Amsel, Haussperling, Buchfink oder Rotkehlchen. Werden diese Vögel über den
Winter ständig gefüttert, können sich unter Umständen viel mehr Vögel im folgenden Jahr
fortpflanzen, als unter natürlichen Bedingungen den Winter überlebt hatten Damit wird schwächeren,
mit schlechterer Erbanlage eine Fortpflanzung ermöglicht. Es findet keine ausreichende natürliche, biologische
Auslese mehr statt. Es gibt zahlreiche, auch seltene Vogelarten, die nicht oder kaum ans Futterhäuschen kommen
und trotzdem den Winter durchstehen müssen. Denken wir beispielsweise nur an Zaunkönig, Gartenbaumläufer,
Heckenbraunelle, Wintergoldhähnchen oder an die Eulen, Greifvögel und zahlreiche Arten von Wasservögeln.
Nur etwa 10 Prozent der bayerischen Brutvogelarten profitieren von der Fütterung am Fensterbrett oder Futterhaus.
Der
starke Rückgang vieler Vogelarten ist auf die Vernichtung bzw. drastische Verschlechterung ihrer Lebensräume
zurückzuführen. Vielen Vogelarten wird durch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft, Überbauung
weiter Flächen mit Straßen, Industrieanlagen oder Siedlungen die Lebensgrundlage entzogen. Unsere Landschaft
bietet kaum noch abwechslungsreiche, vielfältige Strukturen, wie z. B. Hecken, Feldgehölze, Dauergrünland,
Feuchtwiesen, Feldraine oder artenreiche Waldränder. Fast alle Äcker und Wiesen werden intensiv genutzt
und darüber hinaus mit Pestiziden behandelt. Nur naturnahe oder extensiv genutzte Flächen bieten den
bei uns überwinternden Vögeln reichlich Nahrung und Lebensraum. Samen von Wildkräutern, Früchte
von heimischen Gehölzen und Insekten, deren Eier und Larven in der Rinde alter Bäume oder in hohlen Pflanzenstengeln
überwintern, sind die natürliche Nahrung heimischer Vögel.
Jeder Vogel- und Naturfreund sollte sich dafür einsetzen, daß unsere Landschaft nicht noch mehr aus wirtschaftlichen Gründen ausgeräumt wird. Eine Landschaft, die keine Abwechslung bietet, bietet auch keine Erholung mehr für uns Menschen. Wir sollten uns daher u. a. vermehrt für eine naturnahe Landbewirtschaftung, wie sie der ökologische Landbau darstellt, und für die Schaffung neuer Lebensräume einsetzen. Anstatt einer künstlichen Fütterung kann auch jeder Gartenbesitzer für den Vogelschutz schon auf kleinsten Flächen viel leisten. Gartenstauden sollten im Herbst stehengelassen werden, da darin viele Insekten und Spinnen überwintern. Weichfresser wie Rotkehlchen, Zaunkönig oder Kleinspecht finden dort die zum Überwintern notwendige Nahrung. Insekten sind eine sehr eiweiß- und fettreiche Nahrung, wie sie in gekauftem Vogelfutter nicht geboten werden kann. An den Stauden kann man immer wieder Vögel beobachten, wie sie an den Samenständen picken. Körnerfressern wie Finken, Ammern und Zeisigen bieten die Stauden ausreichend Nahrung. Bäume, vor allen Dingen alte Obstbäume, aber auch Laub, das im Garten möglichst liegenbleiben sollte, oder Komposthaufen bieten den Vögeln ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Die Giftspritze hat in einem vogelfreundlichen Garten nichts zu suchen!
Wer aus den eingangs erwähnten Gründen trotzdem eine Winterfütterung durchführen will, sollte folgendes beachten:
zum Füttern sind Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse, Getreidekörner, Fett-Kleie-Gemische, Haferflocken,
Obst, Rosinen, Wildbeeren, Futterringe und Futterknödel, Kokosnußhälften mit Rin- derfett oder
Rindertalgstücke.
Das billigste und für alle Vogelarten verwendbare Futter ist ein Gemisch aus Weizenkleie und Rindertalg mit einem Schuß Salatöl, damit der Rindertalg bei großer Kälte nicht hart und brüchig wird. Der Rindertalg wird klein geschnitten und erhitzt. Nach dem Ausschmelzen des Fettes wird die Weizenkleie dazugemischt. Bei einem Mischungsverhältnis 1 bis 2 Gewichtsteile Rindertalg auf 1 Teil Weizenkleie entsteht eine lockere bröselige Masse, die von allen Vogelarten, auch Weichfressern (z. B. Rotkehlchen) gerne angenommen wird. Werden 5 bis 6 Gewichtsteile Rindertalg auf 1 Teil Weizenkleie verarbeitet, so entsteht eine gießfähige Masse. Sie kann für Baumläufer, Schwanzmeisen und Spechte an rissige Borke alter Bäume gestrichen werden. Für Meisen und Kleiber kann das Gemisch mit Sonnenblumenkernen und Hanf angereichert werden. Es wird in Blumentöpfe gegossen. Durch das Wasserabzugsloch des Blumentopfes steckt man vor dem Eingießen der noch warmen Futtermasse einen Fichtenzweig. An den dünnen Reisern können sich die Meisen bei der Futteraufnahme festhalten, das dicke Zweigende dient zum Aufhängen des Blumentopfes an einem Ast.
Wer sich noch mehr über Vogelfütterung, Vogelschutz (Futterhäuschen-, Nistkästen-Baupläne, Bäume und Sträucher für Vögel etc.) oder über Natur- und Umweltschutz in Garten, Haus und Wohnung informieren will, hat über unsere Geschäftsstelle die Möglichkeit dazu. Hier gibt es Infoblätter, Broschüren und Bücher zu den oben angeführten Themenbereichen. Der Text dieses Infodienstes wurde in Zusammenarbeit mit der Bund- Naturschutz-Ortsgruppe Geisenhausen verfaßt.
Eine weitere Web-Seite über die Winterfütterung von Vögeln bietet die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Pfaffenhofen unter: http://bund-naturschutz.pfaffenhofen.de/Artenschutz/wintip.htm
Text: Paul Riederer; BN-OG Geisenhausen. Zuletzt bearbeitet am 31.8.2001
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BN KG Landshut: bund-naturschutz@landshut.org