Der folgende Text gibt den Wortlaut unseres Infodienstes Nr. 17 vom September 1994 wieder, den alle Bund-Naturschutz-Mitglieder der Kreisgruppe Landshut in gedruckter Form erhalten haben


Linde

BN in Bayern

KG Landshut

17

Infodienst

Nr. 17

September 1994



Tips für aktiven Naturschutz:

Schmetterlingshege im Garten

Jeder Grundstücksbesitzer kann viel für die Falter tun. Natürlich ist es nicht möglich, hochbedrohte Biotopspezialisten im Garten anzusiedeln. Dagegen können Sie einer großen Zahl noch nicht so seltener Arten eine kleine Oase inmitten einer feindlichen Umwelt schaffen. Bei Befolgung unserer Ratschläge ist der Erfolg gewiß. Sie werden zumindest an einigen schönen Sommertagen eine große Zahl Schmetterlinge in Ihrem Garten oder Gärtchen beobachten können. Sollte Ihr Grundstück mitten in der Stadt liegen, so werden es zwar weniger Falter besuchen, die aber oftmals besonders lange verweilen.

Schmetterlingsschutz im Garten bedeutet zunächst einmal Verzicht auf Insek-tengifte und andere Chemikalien. Zweitens geht es darum, ein möglichst windgeschütztes, warmes Areal zu schaffen. Bietet Ihr Grundstück genügend Platz, so ist es optimal, wenn Sie es durch eine freiwachsende Hecke umgrenzen können. Wählen Sie dafür einheimische Gehölze, die schnittver-träglich sind. Setzen Sie die Hecke jeweils aus kleinen Gruppen der gleichen Strauchart bunt zusammen. SchwalbenschwanzGeeignet sind beispielsweise auf humosem, nährstoffreichen Boden: Roter Hartriegel, Waldhasel, Pfaffenhütchen, Gemeiner Liguster (West- und Süddeutschland), Rote Heckenkirsche, Kreuzdorn, Hundsrose, Wilde Brombeere, Salweide, Schwarzer Holunder, Gemeiner Schneeball.

Wenn Ihr Grundstück für eine freiwachsende Hecke zu klein ist, sollten Sie einige Buschgrup-pen setzen. Die Sträucher sind wichtiger (Teil-) Lebensraum für viele Schmetterlingsarten, aber auch für andere Kleintiere wie Frösche und Kröten, Vögel, Spitzmäuse und Igel.

Achten Sie wirklich darauf, heimische Arten auszuwählen! Nur sie bieten einer großen Fülle von Schmetterlingsraupen Nahrung. Eine Ausnahme von dieser Regel sollten Sie jedoch machen: Pflanzen Sie einige Sträucher vom nicht heimischen Schmetterlingsflieder (Buddleia). Seine schönen Blütenstände enthalten sehr viel Nektar und locken zahlreiche Schmetterlinge an.

Begrünen Sie Pergola und Gartenhaus durch Schlinggewächse oder stellen Sie dafür extra ein Rankgerüst auf. Vor allem das Geißblatt ist eine hervorragende Nahrungspflanze für Nachtfalter.

Auf Ihren Blumenrabatten pflanzen Sie altbewährte Stauden, die duften und deren Blüten nicht gefüllt sind. Setzen Sie jeweils möglichst große Gruppen für Schmetterlinge besonders gut geeigneter Arten. Achten Sie bei der Auswahl außerdem darauf, daß möglichst vom zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst immer etwas blüht.

Besonders empfehlenswerte Falterblumen

Bartblume (Caryopteris), Blaukissen (Aubrietia), Disteln - zahlreiche Arten und Gartenformen, auch Kugeldistel (Echinops) und Edeldistel (Eryngium), Fett-henne (Sedum telephium), Herbstaster (Aster novae-angliae), Judastaler (Lunaria), Lavendel (Lavandula), Phlox, Prachtscharte (Liatris), Sommerflieder (Buddleia), Steinkraut (Alyssum), Thymian (Thymus).

Manche blühenden Sträucher sind beliebte Rastplätze und Nektarspender für Schmetterlinge. Vor allem der schon erwähnte Sommerflieder (Buddleia) ist zur Blütezeit ein besonderer Anziehungspunkt für Falter aller Arten.

Magern Sie Ihre Rasenflächen aus und machen

Sie daraus eine einschürige Blumenwiese, die Sie im September mähen. Die zuverlässigste, schnellste, aber auch aufwendigste Methode hierzu besteht darin, den Rasen abzutragen, den Boden notfalls durch Beimischung von Sand weiter auszumagern und aufzulockern, um dann eine geeignete Mischung aus Gräsern und Stauden auszusäen. Langwieriger, aber weniger arbeitsaufwendig ist dagegen der Weg, den Rasen durch häufiges Mähen und Wegschaffen des Mähgutes abzumagern und dann ausgewählte Stauden einzupflanzen.

Brechen Sie außerdem einen Teil des Gartens um und überlassen ihn sich selbst. Dort wird eine Wildstaudenecke entstehen, die Schmetterlingen und anderen Insekten sowie Kleinvögeln Verstecke und Nahrung bietet. Reißen Sie dort aufkommende, unerwünschte Gehölze aus.

Die folgende Liste von ausgewählten Raupenfutterpflanzen kann Ihnen einige Anregungen für die gezielte Förderung von Arten geben.

Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen

Ampfer (Rumex spec.): Dukatenfalter, Feuerfalter; Brennessel (Urtica spec.): Tagpfauenauge, Distelfalter, Kleiner Fuchs, Admiral, Landkärtchen; Brombeere (Rubus spec.): Kaisermantel, Brombeerzipfelfalter, Perlmutterfalter; Disteln (Carduus spec., Cirsium spec., Echinops spec.): Distelfalter, Admiral; Doldenblütler (Umbelliferae, z. B.: Fenchel, Wilde Möhre, Dill): Schwalbenschwanz; Faulbaum (Rhanmus frangula): Zitronenfalter; Fetthenne (Sedum spec.): Apollo;FutterpflanzenFlockenblume (Centaurea spec.): Scheckenfalter; Geißblatt (Lonicera spec.): Kleiner Eisvogel; Ginster (Genista spec.): Bläulinge, Brombeerzipfelfalter; Gräser (z. B. Knäuelgras, Lolch, Pfeifengras, Rispengras, Schmiele, Schwingel, Trespe): Verschiedene Augen- und Dickkopffalter; Habichtskraut (Hieracium spec.): Scheckenfalter; Himbeere (Rubus spec.): Kaisermantel, Perlmutterfalter, Brombeerzipfelfalter; Hopfen (Humulus lupulus): Tagpfauenauge; Kreuzblütler (Cruciferae, z. B. Ackersenf, Kohl, Kresse, Raps, Rüben, Silberblatt): Weißlinge, Resedafalter, Aurorafalter; Kronwicke (Coronilla spec.): Heufalter, Bläulinge; Lauchkraut (Alliaria spec.): Weißlinge; Natternkopf (Echium): Distelfalter; Platterbse (Lathyrus spec.): Bläulinge; Schmetterlingsblütler (Leguminosae, z. B. Goldregen, Klee, Luzerne, Wicke): Senfweißlinge, Bläulinge, Postillion; Thymian (Thymus spec.): Bläulinge; Veilchen (Viola spec.): Kaisermantel, Perlmutterfalter; Wegerich (Plantago spec.): Scheckenfalter, Kleiner Maivogel, Feuerfalter; Weg-Rauke (Sisymbrium spec.): Weißlinge, Aurorafalter; Weide (Salix spec.): Schillerfalter, Trauerfalter, Großer Fuchs; Weißdorn (Crataegus spec.): Segelfalter, Baumweißling; Wicke (Vicia spec.): Heufalter, Senfweißling; Roter Wiesenklee (Trifolium pratense): Waldbläuling; Zitterpappel (Populus tremula): Großer Eisvogel.

Schmetterlingshege auf öffentlichen Flächen

Unsere Tips gelten natürlich ebenfalls für öffentliche Grünanlagen jeder Größe. Machen Sie sich in Ihrer Gemeinde bitte dafür stark, daß wenigstens ein Teil der Rasenflächen in Blumenwiesen umgewandelt, vermehrt heimische Sträucher und Bäume gepflanzt, Wegränder und Böschungen seltener gemäht werden und auf Gift verzichtet wird. Diese ökologisch sinnvollen Maßnahmen bereichern nicht nur den städtischen oder dörflichen Lebensraum, sondern sie sparen auch Steuergelder.

Bei allen Maßnahmen zur Schmetterlingshege darf man selbstverständlich nicht auf einen sofortigen Erfolg hoffen, sondern muß geduldig abwarten, was geschieht. Wenn also in der Liste der Raupenfutterpflanzen bei jeder Art die zugehörigen Schmetterlingsarten angegeben sind, so bedeutet dies noch nicht, daß die Pflanzung eine Garantie für das Eintreffen dieser Schmetterlinge darstellt, - zumal viele davon nur noch in geringer Zahl vorkommen. Mit Enttäuschungen muß man rechnen, mit Überraschungen darf man rechnen.

Schmetterlinge im Haus

Manche Schmetterlinge, wie beispielsweise Tagpfauenauge oder Kleiner Fuchs, überwintern auf dem Dachboden oder anderen geschützten Stellen von Häusern. Sie sollen in ihrem Winterschlaf nicht gestört werden, denn sie sind durchaus lebens- und fortpflanzungsfähig und flattern an den ersten wärmeren Tagen im Frühjahr wieder ins Freie. Voraussetzung ist allerdings, daß Sie wieder Fenster und Dachluken öffnen, die im Spätsommer den Faltern als Einflugweg gedient haben. Geschieht das nicht rechtzeitig, bedeutet das häufig den Tod der eingeschlossenen Tiere.

Schmetterlig und Raupe

Bezugsquellen von Falterblumen und Raupenfutterpflanzen erfahren Sie in unserer Geschäftsstelle. Hier erhalten Sie auch weitere Informationen, Schriften und Bücher zum naturnahen Garten. Wer noch mehr über Schmetterlinge und deren Schutz erfahren möchte, sollte sich das reichbebilderte Buch "Aktion Schmetterling - So können wir sie retten" zulegen. Das Buch wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anläßlich seiner "Aktion Schmetterling" veröffentlicht.


Text: Arbeitskreis Arten- und Biotopschutz, Bund Naturschutz Landshut. Ansprechpartner: Paul Riederer.
Zuletzt bearbeitet am 9.5.1997
E-MailMail an BN KG Landshut:
bund-naturschutz@landshut.org

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