Der folgende Text gibt den Wortlaut unseres Infodienstes Nr. 19 vom September 1995 wieder, den alle Bund-Naturschutz-Mitglieder der Kreisgruppe Landshut in gedruckter Form erhalten haben.
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| Nr. 19 | September 1995 |
Hornissen
- zu Unrecht verfolgt
In Europa kommen nur zwei Hornissenarten vor: Die Vespa crabro in Deutschland und im übrigen gemäßigten europäischen Klimabereich, die schokoladenbraun-gelb gefärbte Vespa orientalis hingegen im Mittelmeergebiet. Sie gehören, genauso wie alle anderen Hornissen, gemeinsam mit den kleineren Wespenarten, zur Familie der Echten oder Falten-Wespen (Vespidae), die wiederum - wie z.B. auch die Familie der Bienen - zu der großen Gruppe der Hautflügler (Hymenoptera) zählen.
Die Hornisse (Vespa crabro) ist die größte europäische Faltenwespe und das größte staatenbildende Insekt der heimischen Tierwelt. Der Hornissenstaat mit normalerweise einigen hundert Tieren ist wie alle Wespenstaaten einjährig. Im Spätherbst sterben die Arbeiterinnen und Männchen sowie die alte Königin. Nur die jungen, vollentwickelten und meist begatteten Weibchen überwintern im Erdreich oder in morschem Holz, um dann im nächsten Frühjahr einen neuen Staat zu gründen. Nur zufällig und selten besiedeln sie die Nistplätze vom Vorjahr.
Ihre Nester mit horizontal angeordneten Waben bauen die Hornissen aus zerkautem Holz in den Höhlen großer Laubbäume ruhiger Wälder und Waldränder. Leider sind diese natürlichen Lebensräume und Nistmöglichkeiten so dezimiert, dass die Hornissen auch leere Bienenwohnungen, Dachböden und (die für diese Nutzung viel zu kleinen) Vogelnistkästen beziehen, und zwar bevorzugt in den grünen Siedlungsrandgebieten mit einem großen Anteil an Obstbäumen.
Das einjährige Leben eines Hornissenvolkes erreicht seinen Höhepunkt im Spätsommer. Dann ist es am stärksten. Man wird auf diese Tiere also meist kurz vor der natürlichen Auflösungsphase des Volkes aufmerksam. Die Hornissen ernähren sich selbst zwar von Nektar, Obst- und Pflanzensäften, ihre Nachkommenschaft füttern sie jedoch mit lebend erbeuteten Insekten und deren Larven. Hierzu fangen sie auch große wehrhafte Insekten und erfüllen damit wichtige Regulationsaufgaben im Artengefüge der Natur.
Die Hornissen erbeuten gelegentlich auch Bienen. Hierbei handelt es sich jedoch vorwiegend um Sammlerinnen, die zum Zeitpunkt der Entwicklungshöhe des Hornissenvolkes ohnehin nicht mehr winterständig werden. Für den Imker und seine Bienenvölker stellen sie jedoch keine Bedrohung dar; selbst in enger Nachbarschaft haben Hornissen keinen hemmenden Einfluss auf die Entwicklung von Bienenvölkern.

Sieben Hornissenstiche auf einmal sollten angeblich für ein Pferd tödlich sein und drei für einen Menschen. Diese volkstümliche Theorie ist eindeutig widerlegt. Im jahrelangen Umgang hat sich gezeigt, dass bei sachgemäßer Behandlung, wie sie jeder Imker mit Bienen beachtet, Hornissen genauso umgänglich sind wie die beliebten Honigerzeuger.
Viktor von Bülow, genannt "Loriot", hat einmal gefragt: "Wussten Sie schon, dass der Biss eines einzigen Pferdes genügt, um eine Hornisse zu töten?
Dem Menschen werden mehrere Stiche gleichzeitig und Stiche in den Kopf oder in andere schmerzempfindliche Körperteile nicht gefährlich. Eine Ausnahme hiervon besteht nur für Personen, die stark allergisch auf Bienen-, Hummel-, Wespen- oder Hornissengift reagieren. In diesen seltenen Fällen kann schon ein einzelner Stich einen schweren allergisch bedingten Schockzustand hervorrufen. Dabei handelt es sich um einen massiven Kreislaufzusammenbruch, zum Teil verbunden mit Bewusstlosigkeit und Schwellungen der Luftwege. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich, er erfordert schnelle ärztliche Hilfe. Eine derartige Allergie ist jedoch sehr selten. Oft wird schon die Schmerzreaktion der gestochenen Person als Allergie missdeutet; schmerzhaft allerdings sind Stiche dieser Insekten immer.
Falls ein Mensch tatsächlich einmal von einer Hornisse gestochen wird, muss er keine anderen Maßnahmen ergreifen als nach einem Bienen- oder Wespenstich. Bei Stichen der viel zahlreicher vorkommenden kleineren Wespenarten kann eine u.U. damit einhergehende Infektion durch Bakterien die eigentliche Giftwirkung übertreffen, da diese Insekten sich auch von toten Tieren ernähren. Dies ist bei Hornissenstichen nicht der Fall, weil Hornissen ausschließlich lebende Insekten erbeuten.
Hornissen sollten in Ruhe gelassen werden, auch Hornissennester in unmittelbarer Nähe des menschlichen Lebensbereichs (z.B. Dachböden, Schuppen, Bienenhaus). Dort können sie in der Regel ohne Gefahr und Störungen bleiben. Auch die den Hornissen angedichtete Angriffslust geht gründlich an der Wirklichkeit vorbei. Im Gegenteil: Hornissen verhalten sich weit ruhiger und berechenbarer als Bienen, welche bei Gewitterschwüle, Schweiß- und Parfümgeruch in Stocknähe selbst ohne besondere Störung gezielt angreifen. Auslöser für aggressives Verhalten bei Hornissen dürfte somit neben panikartigem Zubodenschlagen herumfliegender Tiere vor allem die Erschütterung oder Zerstörung ihres Nestes sein. Falls es wirklich einmal unumgänglich zu sein scheint, ein Nest zu entfernen, sollte das in keinem Fall in Selbsthilfe oder durch Schädlingsbekämpfer geschehen. Stattdessen wird dringend darum gebeten, in diesem Fall Kontakt mit den Naturschutzbehörden aufzunehmen.
Die Tag und Nacht auf Nahrungssuche ausfliegenden Hornissen verirren sich bisweilen in Wohnungen. Im Frühsommer (Mai, Juni) können sich auch einzeln herumfliegende Hornissenköniginnen zwischen den Fenstern verfangen. Gerade diese mit maximal 4 cm Körperlänge größten Exemplare ihrer Art haben ein extrem ruhiges friedfertiges Verhalten. Man muss sie schon sehr grob behandeln, bevor sie versuchen, sich durch Stiche zu verteidigen. In allen diesen Fällen nimmt man am besten ein Stück Papier und manövriert die Hornissen damit behutsam zum offenen Fenster hinaus.
Das grundsätzlich friedliche Verhalten der Hornisse gibt also keinen Anlass zu Bekämpfungsmaßnahmen. Dies hat auch der Gesetzgeber gesehen, der die Hornisse als geschützte Art in die Bundesartenschutzverordnung aufnahm. Sie darf also weder gestört, belästigt oder beeinträchtigt, noch getötet werden. Während man früher den so gefürchteten Hornissen unerbittlich zu Leibe rückte, sollten heute Hornissennester unseren Schutz genießen. In Gebäuden sollte unterhalb der Nestöffnung gegen Verschmutzung eine dicke Lage Zeitungspapier als "Windel" ausgebreitet werden, da sich dort heruntergefallene Wabenteile, Hüllen und Holzspänchen, abgestürzte, kranke oder tote Hornissenlarven, vor allem aber die festen und flüssigen Ausscheidungen der Hornissen ansammeln. Durch die untere Öffnung des Nestes fallen ferner allerlei Nahrungsreste wie Kopfkapseln, Beine oder Flügel, die einen interessanten Einblick in die Speisekarte der Hornissen bieten. Von den aufgesammelten und genau untersuchten Beuteresten her beurteilt, können Hornissen sogar als äußerst nützliche Insekten eingestuft werden, denen neben verschiedenen Fliegenarten auch zahlreiche forstliche Schädlinge und Wespen zum Opfer fallen. Außerhalb von Gebäuden lässt sich die durch das Verschwinden natürlicher Baumhöhlen entstandene Wohnungsnot der Hornissen durch das Aufhängen spezieller Nistkästen lindern.
Die ökologische Bedeutung und regional starke Gefährdung von Hornissen sollten uns veranlassen, alle Möglichkeiten des Hornissenschutzes auszuschöpfen:
Langjährige praktische Erfahrungen im Umgang mit Hornissen heben ergeben, dass Hornissen-Nester in nahezu allen Fällen bereits allein nach entsprechender Aufklärung der Hausbewohner geschont werden konnten. Steht ein Nest unaufschiebbaren Arbeiten im Wege, sollte von einer Vernichtung abgesehen werden. Nach Kontaktaufnahme mit Fachleuten (über Naturschutzbehörde, einen Naturschutzverband oder Imkerverein) kann evtl. eine Umsiedlung durchgeführt werden. Bei kritischer Lage genügt oft auch die einfache Absicherung des Nestes, z.B. durch Anbringen von Fliegendraht im Bereich von Gebäuden (zum Innenraum hin), Anlage von einfachen Zäunen und Sichtblenden bei Nestern in der Nähe belebter Plätze (im Umkreis von etwa 5 m) oder Anbringen von Elektrozäunen zur Fernhaltung von Pferden oder Weidevieh.
Der "Mündener Hornissenkasten" konnte bei Ansiedlung und Umquartierung von Hornissenvölkern
erfolgreich eingesetzt werden. (Klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Darstellung)
Die Hornissenkästen können an Lichtungsrändern, Waldsäumen, in Gärten oder auch an Bauwerken angebracht werden. Die Aufhängungshöhe sollte etwa vier Meter betragen und das Flugloch nach SO-SW gerichtet sein. Der Luftraum vor dem Kasten muss frei von Ästen sein, um einen offenen Anflug zu gewährleisten. Anfang Mai entfernt man die alten Nester.
Hornissen - Nistkästen: Schwegler GmbH Heinkelstraße 35 73614 Schorndorf
Insektengitter für Fenster: Fa. Neher
Buch: Schützt die Hornissen Robert
Rippberger, ISBN 3-522-30450-0 Weitbrecht Verlag
Ausstellung: Hornissen - zu Unrecht verfolgt Bund
Naturschutz Ortsgruppe "Kleines Vilstal"
Weblink: Hornissenschutz Münster
Text: Johannes Selmansberger. Grafik: Erwin Scheuchl. Zuletzt bearbeitet am 24.6.2001
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BN KG Landshut: bund-naturschutz@landshut.org