Der folgende Text gibt den Wortlaut unseres Infodienstes Nr. 4 vom Februar 1989 wieder, den alle Bund-Naturschutz-Mitglieder der Kreisgruppe Landshut in gedruckter Form erhalten haben.
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| Infodienst | |
| Nr. 4 | September 1989 |
Vogelgezwitscher, Bienen und Schmetterlinge, die auf Blüten turnen, vielleicht auch ein Igel, der sich
eingefunden hat - Artenvielfalt, wie wir sie aus Omas Zeiten kennen. Doch was ist geblieben davon, außer
unendlich vielen Blattläusen auf den Rosen?
Sehen Sie sich Ihr "kleines Paradies" doch einmal kritisch an. Sicher stehen Fichten, Blautannen, Zierkirschen,
Rhododendren, Azaleen und allerlei weitere Exoten sauber getrennt in Reih und Glied. Ein Zaun schirmt das eigene
Grundstilck zum Nachbarn hin ab, und eine Mauer führt vielleicht zur Garage. Dies hat jedoch nichts mehr mit
ursprünglicher Natur und vielfältigem Leben zu tun. Oder haben Sie schon einmal gesehen, daß ein
Buchfink in einer Blautanne nistet? Und die Früchte der japanischen Zierkirsche mögen sicher den Vertretern
der japanischen Vogelwelt schmecken, nicht aber unserem Dompfaff.
Unsere heimische Tierwelt ist auf einheimische Pflanzen angewiesen, um existieren zu können. Sie findet keinen
Lebensraum, wenn in unseren Gärten exotische Ziergehölze überwiegen.
Welche Funktion nun einheimische Bäume, Sträucher und Hecken im Naturgarten haben, soll Ihnen das folgende
kleine Beispiel zeigen. Daran anschließend, finden Sie ein paar Tipps zum Was und Wie des Pflanzens von Gehölzen.
Blätter, Blüten, Früchte sind wie das Holz und die Triebe die Nahrungsbasis
für viele Lebewesen. Um dieses zu verdeutlichen, sollen an einer Baumskizze einmal die wichtigsten Insektengruppen,
die von Bäumen und Sträuchern leben, aufgezeigt werden. Insekten fressen Knospen, Zweige, Blätter,
Samen und Wurzeln, sie ernähren sich vom Pflanzensaft und von Stamm und Rinde der Gehölze. Sie sehen,
die Nahrungsquelle Baum/Strauch ist recht vielseitig. Hinzu kommt, daß diese vielen Insektengruppen für
unsere Vögel und Kleintiere das tägliche Futter darstellen.
Ebenso wie die Insekten leben Vögel von den zuvor genannten Pflanzenteilen. Früchte, wie die rote Vogelbeere,
Heckenkirsche und Holunderbeere sind hier wohl die beliebteste Nahrung. Das gleiche gilt auch für unsere vom
Aussterben bedrohten Kleinsäuger, z.B. die Haselmaus und den Siebenschläfer.
| Deutscher, botanischer Name | Höhe | Ansprüche | Bedeutung für | |
| bis m | Licht | Feuchte | Vögel und Insekten | |
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Kleinsträucher |
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| Bibernellrose, Rosa spinosissima | 1 |
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t | Nahrung |
| Ginster, Cytisus scoparius | 1-2 |
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mt | Nahrung |
| Alpenjohannisbeere, Ribes alpinum | 2 |
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mf | Nahrung, Nistplatz |
| Himbeere, Rubus idaeus | 2 |
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f | Nahrung |
| Öhrchenweide, Salix aurita | 2 |
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f | Nahrung |
| Brombeere, Rubus fruticosus | 2-3 |
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mf | Nahrung, Nistplatz |
| Heckenkirsche, Lonicera xylosteum | 2-3 |
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mf | Nahrung, Nistplatz |
| Hundsrose, rosa canina | 2-3 |
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t - mf | Nahrung, Nistplatz |
| Sommerflieder, buddleia davidii (nicht heimisch, jedoch wertvolle Futterpflanze für Schmetterling) |
2-3 |
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mf | Nahrung |
| Schlehe, prunus spinosa | 2-3 |
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t - f | Nahrung, Nistplatz |
| Berberitze, berberis vulgaris | 3 |
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t - f | Nahrung |
| Kreuzdorn, rhamnus carthartica | 3-4 |
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mt | Nahrung, Nistplatz |
| Bluthartriegel, cornus sanguinea | 4 |
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mf | Nahrung |
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Großsträucher |
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| Immergrüner Buchsbaum, buxus sempervivens | 2-5 |
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t - f | Nahrung |
| Faulbaum, frangula alnus | 3-5 |
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f | Nahrung, Nistplatz |
| Kornelkirsche, cornus mas | 3-5 |
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mf - f | Nahrung, Nistplatz |
| Liguster, ligustrum vulgare | 3-5 |
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mf | Nahrung, Nistplatz |
| Purpurweide, salix purpurea | 3-5 |
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t - f | Nahrung |
| Gewöhnlicher Schneeball, viburnum opulus | 3-5 |
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mf - f | Nahrung, Nistplatz |
| Wolliger Schneeball, viburnum lantana | 3-5 |
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t - f | Nahrung, Nistplatz |
| Haselnuss, corylus avellana | 5-6 |
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mf - t | Nahrung |
| Sanddorn, hippohae rhamnoides | 5-6 |
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t | Nahrung, Nistplatz |
| Schwarzer Holunder, sambucus nigra | 5-7 |
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mf - f | Nahrung, Nistplatz |
| Weißdorn, crataegus monogyna | 6 |
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mf - f | Nahrung, Nistplatz |
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Bäume |
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| Holzapfel, malus sylvestris | 5-8 |
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mf | Nahrung |
| Salweide, salix caprea | 5-9 |
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t - f | Nahrung |
| Steinweichsel, prunus mahaleb | 5-10 |
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mf | Nahrung |
| Speierling, sorbus domestica | 6-15 |
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mf | Nahrung |
| Eibe, taxus baccata | 10-15 |
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mf - f | Nahrung |
| Traubenkirsche, prunus padus | 10-15 |
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mf - f | Nahrung |
| Eberesche, sorbus aucuparia | 12-15 |
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mf | Nahrung |
| Feldahorn, acer campestre | 12-15 |
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mf | Nahrung, Nistplatz |
| Mehlbeere, sorbus aria | 12-15 |
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mf | Nahrung |
| Hainbuche, capinus betulus | 15-20 |
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mf - f | Nahrung, Nistplatz |
| Schwarzerle, alnus glutinosa | 20 |
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mf - f | Nahrung, Nistplatz |
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Hochstämmige Obstbäume |
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| Über geeignete Obstbäume können ökologisch orientierte Baumschulen Auskunft geben | ||||
Bäume, Sträucher und Hecken sind aber nicht nur als Futterpflanzen wichtig, sie sind gleichzeitig ideale Schutz- und Deckungsplätze und dienen den Vögeln als Niststätten. Als Wohnstuben eignen sich besonders dichte, undurchdringliche Gehölze, die zum Teil mit Dornen oder Stacheln ausgerüstet sind - beispielsweise die Hainbuche, Schwarz- und Weißdorn, die Brombeere und die Heckenrose. Einen besonderen Wert als Nistplätze haben auch alte Bäume, doch soll hierauf speziell bei den praktischen Tipps eingegangen werden.
Diese kurze Beschreibung der ökologischen Zusammenhänge zeigt deutlich, dass der Artenreichtum der heimischen Tierwelt um so größer, ausgeglichener und beständiger sein kann, je umfangreicher und breit gestreuter die Palette an verschiedenen Gehölzen gestaltet wird.
Wichtig ist also die Wahl standortgerechter, d.h. einheimischer Pflanzen. Die dadurch entstehende Vielfalt an
Tieren hat eine Verringerung von Schädlingen und somit auch eine Abnahme der Krankheitsanfälligkeit der
Pflanzen zur natürlichen Folge.
Unentbehrliche Elemente im Garten sind Hecken und Sträucher. Sie sollten gruppenweise angeordnet werden, wobei
auch kleinere Gebüschgruppen geeignet sind. Einzelne Bäume, z.B. Eberesche, Feldahorn oder halb- und
hochstämmige Obstbäume, werden dazwischengesetzt, sie können aber auch gut alleine stehen. Die halb-
und hochstämmigen Obstbäume sind ebenso wie abgestorbene Baumstümpfe Niststätten für Höhlenbrüter
- Kleiber, Grauschnäpper, Gartenrotschwanz, Kleinspecht, Meise oder Wendehals. Astlöcher, Risse, Flechten
und Baumpilze erhöhen zudem den Wert für den Naturhaushalt.
Fassen wir also zusammen:
Am besten wachsen niedrige Sträucher mit einer Pflanzhöhe von 50 bis 100 cm, die zu einem Exemplar
auf 1 m2 oder generell in Abständen von mindestens 1 m gesetzt werden. Wählen Sie dabei Sträucher
aus, die von der Größe her in Ihren Garten passen. Vielleicht können Sie auch mit Ihrem Nachbarn
zusammen höhere Grenzgehölze anpflanzen.
Bilden Sie die Pflanzränder nicht gerade, sondern unregelmäßig aus.
Ihr Garten wirkt, wenn sie diese Punkte berücksichtigen, wesentlich aufgelockerter.
Alle Bodenarten sind prinzipiell geeignet, ein humusreicher ist vielleicht von Vorteil. Der Boden muß aber
nicht gedüngt werden. Gegebenenfalls ist bei einem besonders lehmigen Boden ein Auflockern notwendig.
Pflanzzeit ist das laubfreie Winterhalbjahr außerhalb der Frostperiode.
Im ersten Jahr müssen Sie das hochwachsende Gras niedertreten oder schneiden, es sollte dabei jedoch keine
maschinelle Bearbeitung erfolgen. Ein Schneiden und Auslichten der Gehölze wird erst erforderlich, wenn sie
zu breit, zu hoch oder durchsichtig geworden sind. Legen Sie diese Arbeit wegen der Nistzeit aber nicht in den
Sommer. Später können Sie alle 2 bis 4 Jahre einen Verjüngungsschnitt vornehmen - bei Weiden- und
Haselnusssträuchern kann auch ein Radikalschnitt bis zum Boden erfolgen.
Altholz und Blätter sollten Sie liegenlassen.
Reisighaufen dienen besonders Igeln als Überwinterungsmöglichkeit. Generell bietet vermoderndes Holz
vielen Kleintieren einen Unterschlupf, und es wandelt sich mit den Blättern zu wertvollem Humus um. Ein Düngen
mit chemischen Mitteln wird so in der Folgezeit überflüssig. Das abgefallene Laub eignet sich außerdem
ideal als Winterabdeckung.
Sie sehen, heimische Gehölze sind nicht nur ökologisch sehr wichtig, sie haben daneben - eine Buschhecke
ist zum Beispiel über viele Jahre wartungsfrei - auch noch weitere große Vorteile:
Und nicht zuletzt:
Text: Paul Riederer. Zuletzt bearbeitet am 20.5.2002
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BN KG Landshut: bund-naturschutz@landshut.org
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