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In der Isarleite - am sogenannten Kasernenberg - wurde am 01. März 2008 eine beträchtliche Waldfläche durch den Sturm "Emma" zerstört. Die entwurzelten oder abgebrochenen Baumstämme - vor allem Buchen, Bergahorne und Eschen - liegen quer zum extrem steilen Hang. Bei einem Ortstermin mit Förster Joachim Götz von der Heilig-Geist-Spitalstiftung, der Eigentümerin des Waldes, informierten sich Vorsitzender Paul Riederer und Fachbeirat Klaus Wiedmann von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe (BN) Landshut sowie Christian Brummer, Vorsitzender der Kreisgruppe Landshut des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) über das Ausmaß der Schäden und die geplanten Maßnahmen.
Wie schon bei einem Treffen mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde und des Amts für Landwirtschaft und Forsten betonte Joachim Götz, dass durch kostenintensive Aufräumarbeiten große Schäden für die Bodenstruktur und die Hangquellen in dem Schutzwald entstehen würden. Die Stabilität des Steilhanges würde enorm gefährdet. Die im Gelände ähnlich einer Lawinenverbauung liegenden Bäume jedoch schützen den extrem steilen Hang vor der Erosion. Aus diesen Gründen soll die geschädigte Waldfläche sich selbst überlassen werden. Viele junge Bäume werden schon in wenigen Jahren die Fläche wieder begrünen, zeigte sich Götz zuversichtlich.
Dieses Vorhaben fand, wie schon von den Naturschutz- und Forstbehörden, einhellige Zustimmung auch von Seiten der Vertreter der beiden Naturschutzverbände. Hier wage man "Mut zur Wildnis", hoben Riederer und Brummer lobend hervor. Der Naturschutz entdecke Prozessschutz und Wildnis zunehmend als Zukunftskonzept. Neben Artenschutzprojekten und der Pflege von Lebensräumen legen sowohl Naturschutzverbände als auch der amtliche Naturschutz neue Schwerpunkte: Der Natur mehr Raum zu einer vom Menschen nicht gelenkten Entwicklung geben, Sukzessionsprozesse zulassen, Natur Natur sein lassen. Dieses Konzept ermöglicht die Entwicklung optimal angepasster natürlicher Lebensgemeinschaften. Der "Kasernenberg" kann dafür ein Musterbeispiel sein.
Wildnisprojekte helfen uns, althergebrachte Vorstellungen, wie Natur auszusehen hat, zu hinterfragen. Sie lehren
uns Toleranz und Verständnis für Wandel und Veränderung, stellt Klaus Wiedmann als Mitglied im BN-Landesarbeitskreis
Wald fest. Fast in ganz Mitteleuropa sind Prozessschutzflächen - Wildniszonen - extrem selten. Alleine schon
deshalb stellen sie inmitten unserer hoch organisierten und technisierten Umwelt etwas ganz Besonderes und damit
Wertvolles dar. Diese vom Sturm geschädigte Waldfläche in der Isarleite habe hohen pädagogischen
Wert als Projekt "Natur als Lernort". Hier könne, so Wiedmann, Generationen von Schulklassen der
Kreislauf in der Natur und das Sterben als Grundlage neuen Lebens gezeigt werden. Spannend wird es sein, wie ein
neuer Wald entsteht ganz ohne menschlichen Eingriff und wie lange die Natur dazu brauchen wird. Hinweistafeln an
Ort und Stelle sollten über Sinn und Zweck dieses "Wildnisprojekts" aufklären.
Paul Riederer und Christian Brummer schlugen vor, die Stadt Landshut sollte die durch den Sturm entstandene Situation
in der Isarleite offensiv verkaufen als ökologische Besonderheit inmitten einer intensiv genutzten Umwelt,
als Beispiel für "Mut zur Wildnis", als Naturschutz-Anschauungsprojekt direkt vor der Haustür
und als Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in der Stadt. Mit diesem für den Naturschutz, Artenschutz
und die Ökologie wegweisenden Projekt könne sich Landshut landesweit positiv darstellen.
Angesichts der Mitte Mai stattfindenden Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention in Bonn wiesen die Vertreter von BN und LBV darauf hin, wie wertvoll der Lebensraum Totholz für die Biodiversität - Artenvielfalt - sei. Dies gelte nicht nur für irgendwelche Regenwälder auf der Südhalbkugel, sondern auch für unsere heimischen Wälder. Es werde immer deutlicher, welch hohe Artenzahl auf stehendes und liegendes Totholz angewiesen ist. Zu nennen sind dabei insbesondere verschiedene Arten von Moosen, Pilzen, Käfern und auch für Nicht-Biologen erkennbar: Fledermäuse und Vögel, unter anderem Spechte. Aber auch Rotkehlchen, Zaunkönig, Baumläufer und Kleiber profitieren von den umgestürzten Bäumen mit Wurzelstöcken oder den zersplitterten, noch stehenden Bauminvaliden als beliebte Brutplätze. Aufgrund einer erhöhten Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen, das heißt wegen intensiverer Nutzung der Wälder, werden mehrere dieser Artengruppen künftig jedoch Probleme haben. "Wir brauchen Zonen mit Nutzungsverzicht, mit Totholz und natürlicher Eigendynamik. Die durch den Sturm entstandene Wildnis im FFH-Gebiet Isarleiten ist ein Paradebeispiel für solche Zonen, in denen Natur Natur sein darf ", betonten die Naturschützer.
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Text: Paul Riederer. Zuletzt bearbeitet am 04.04.2008
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BN KG Landshut: bund-naturschutz@landshut.org