Demonstration und Kundgebung gegen das geplante Atommüll-Lager Niederaichbach/ Ohu
am Samstag, 26. Mai 2001 in Landshut.
Redner:
Peter Schulz, Bürgerforum gegen Atomkraft
Kathy Mühlebach-Sturm, Bund Naturschutz
Erwin Hadersbeck, Niederaichbacher Bürgerinitiative gegen das Atommüll-Lager
Veranstalter:
Bund Naturschutz Kreisgruppe Landshut, Bürgerinitiative gegen das Atommüll-Lager Niederaichbach, Landshuter
Bürgerforum gegen Atomkraftwerke, GaU e.V.,
Über 300 Betroffene aller Altersstufen aus Landshut und Umgebung nahmen an der Demonstration teil. Während
der Kundgebung blieben noch etwa 50 Altstadt-Passanten stehen und hörten den Vortragenden zu. Peter Schulz
wies darauf hin, dass es nicht um eine einzelne Lagerhalle gehe, sondern um eine Weichenstellung für die Ablehnung
des Atomkonsenses, der im Juni 2000 zwischen der rot-grünen Bundesregierung un der Atomindustrie ausgehandelt
worden sei. Diese Übereinkunft sei noch nicht einmal unterschrieben und demnach "juristisch nichts wert".
Kathy-Mühlebach-Sturm erläuterte, warum die Zwischenlager bei den Atomkraftwerken errichtet werden
sollen. Im Rahmen des Atomkonsenses habe man vereinbart, die Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstäbe auslaufen
zu lassen und die Brennstäbe stattdessen direkt für die Endlagerung vorzusehen. In den zentralen Zwischenlagern
in Gorleben und Ahaus sei jedoch nicht genügend Platz für die gesamte vereinbarte Restlaufzeit, zumal
auch der von der Wiederaufarbeitung zurückzunehmende Atommüll dort gelagert werden müsse. Damit
also die vereinbarte Restlaufzeit der Atomkraftwerke überhaupt verwirklicht werden könne, sei der Bau
standortnaher Zwischenlager erforderlich. Was das für die Bevölkerung heißt, fasste Kathy Mühlebach-Sturm
in sieben Punkten zusammen:
- In Ohu stehen demnächst drei statt zwei Atomanlagen.
- Ein einziger Castor enthält mehr langlebige radioaktive Stoffe als jene, die bei der Reaktorkatastrophe
in Tschernobyl freigesetzt wurden.
- Ist ein Castor undicht, treten radioaktive Stoffe aus.
- Im Gegensatz zu dem in Tschernobyl durch eine Explosion freigesetzten und weltweit verteilten radioaktiven
Material, verbleiben die aus einem Castor-Behälter austretenden radioaktiven Stoffe in der näheren Umgebung,
sodass diese massiv und auf Jahrhunderte hinaus radioaktiv verseucht wird.
- Selbst bei anfänglich geprüften dichten Castoren, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie während
der langen Lagerzeit durch Alterung und Korrosion, aber auch durch Brand, Erdbeben, Flugzeugabsturz oder einen
atomaren Unfall im benachbarten Atomkraftwerk beschädigt und dadurch undicht werden.
- Vom geplanten Brennelementelager geht auch im Normalbetrieb eine Gamma- und Neutronenstrahlung aus, die die
Strahlenbelastung der Umgebung im Umkreis von bis zu 500m erhöht
- Es sind keine abgetrennten Bereiche und keine Vorrichtungen geplant, mit Hilfe derer undichte Castoren repariert
werden können
Zwischenlagerung ist keine Entsorgung, sondern nur eine zeitliche Verschiebung eines ungelösten Problems.
Der Weiterbetrieb von Atomkraftwerken und damit die ungebremste weitere Produktion von Atommüll ist unverantwortlich.
Aus einem Zwischenlager kann leicht ein Endlager werden. Aus diesem Grund, betonte Mühlebach-Sturm, fühlen
wir uns in unserem Recht auf "Schutz von Leben und Gesundheit" nach Artikel 2, Absatz 2 Grundgesetz in
unakzeptabler Weise eingeschränkt.
Gemeinderat von Niederaichbach lehnt Bauantrag ab
Erwin Hadersbeck berichtete über den schwierigen Entscheidungsprozess des Niederaichbacher Gemeinderats,
ob das Einvernehmen zur Errichtung der Lagerhalle, in der 152 Castor-Behälter eingelagert werden sollen, erteilt
oder verweigert wird. Das Genehmigungsverfahren besteht ja aus einem baurechtlichen und einem atomrechtlichen Teil.
Beim baurechtlichen Teil erteilt die Gemeinde wie bei jedem anderen Gebäude das Einvernehmen aufgrund der
Einhaltung baurechtlicher Vorschriften. Die Gemeinderäte befürchteten zunächst, wenn sie das Einvernehmen
zu Unrecht verweigern, könnte die Gemeinde, oder sogar die Gemeinderäte persönlich schadenersatzpflichtig
gemacht werden. Diese Bedenken konnten die Rechtsanwälte des BN und der Bürgerinitiative offenbar zerstreuen
entgegen der Argumentation eines weiteren Juristen, so dass der Gemeinderat mit 11:5 Stimmen sein Einvernehmen
verweigerte. Der Gemeinderat von Niederaichbach hat sich somit eindeutig gegen das Atommüll-Lager in Ohu/
Niederaichbach ausgesprochen! Hadersbeck bedankte sich für diese Entscheidung zu Gunsten der betroffenen Bevölkerung.
Kreistag einstimmig gegen Atommüll-Lager
Am Montag, 28. Mai lehnte der Landshuter Kreistag einstimmig, den Bau des Atommüll-Lagers am Atomstandort
Ohu ab. Ein weitergehender Antrag von Bündnis 90/ Die Grünen, zusätzlich auch noch
die Betreiber der Atomkraftwerke aufzufordern, den Betrieb und damit die weitere Atommüllproduktion einzustellen,
fand allerdings keine Mehrheit. Trotzdem ist die BN-Kreisgruppe mit dem Abstimmungsergebnis äußerst
zufrieden. "Ein einstimmiges Nein zum Zwischenlager, da können Betroffene an anderen Standorten nur davon
träumen", gab Kreisgruppenvorsitzender Paul Riederer der Presse zu verstehen.
Landrat Josef Neumeier erklärte zudem, dass das Landratsamt den Bauantrag vorerst nicht behandeln wird bevor
das atomrechtliche Verfahren abgeschlossen ist.
Die Unterschriftenaktion (Sammeleinwendung) wird selbstverständlich fortgesetzt, da sie sich auf den
atomrechtlichen, nicht auf den baurechtlichen Teil des Verfahrens bezieht.
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