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Leben ist teuer und nicht jedeR kann es sich wirklich leisten - schon gar nicht wenn versucht wird alternative Wege zu gehen und sich aus der kapitalistischen Verwertungsmaschinerie und Lohnsklaverei weitestgehend zu befreien. Dass diese Ablehnung bestehender Verhältnisse aber nicht zwingend den totalen Verzicht auf materielle Annehmlichkeiten oder gar Lebensmittelmangel bedeuten muss und wie Lebenshaltungskosten gesenkt werden können, soll in diesem Text kurz umrissen werden.
 

Am Anfang war das Fressen

Essen ist sowohl essentiell, als auch extrem angenehm - zumindest wenn die richtigen Zutaten vorhanden sind. Was gibt es aber für Möglichkeiten an den täglichen Mampf so günstig wie möglich, wenn nicht gar umsonst ranzukommen?

Containern

Containern ist eine sowohl effektive, als auch relativ unstressige Variante um kostenlos an Essen zu gelangen. Jedes grössere Lebensmittelgeschäft hat i.d.R. irgendwo auf dem Gelände (meist hinten, bei den Liefer Eingängen) Container aufgestellt, die dazu dienen abgelaufene (bzw. bald ablaufende), beschädigte oder natürlich auch vergammelte (oft natürlich noch abgepackte) Lebensmittel zu sammeln und danach meist wegzuschmeissen. Da ein Grossteil dieser Lebensmittel noch völlig in Ordnung und verwendbar ist, aufgrund des abgelaufenen Haltbarkeitsdatums jedoch nicht mehr verkauft werden darf ist es naheliegend sich solche Container zu suchen und sich einfach das zu nehmen was mensch will / braucht.
Da das grundsätzlich immernoch Diebstahl ist, sollte davor mit den GeschäftsinhaberInnen gesprochen und die Situation abgeklärt werden. Einige lassen die Container dann immer oder wenigstens an bestimmten Tagen offen, so dass sich einfach bedient werden kann.
Wird vorher nichts abgesprochen ist das i.d.R. auch kein Beinbruch da es die Geschäfte meist wenig interessiert ob ihr "Müll" nun geklaut wird oder nicht. Ist der Container mit Ketten verschlossen kann bspw. ein Glied durch ein eigenes Vorhängeschloss ersetzt und dann nach belieben geöffnet werden. Wie aber schon erwähnt ist das strafbar, also ab in's Geschäft und auf dem legalen Wege versuchen!

VoKü

VoKüs sind ja im Normalfall eh recht bekannt. Sie werden oft in Infoläden, AZs, auf Konzerten / Veranstaltungen oder in sonstigen linken Räumlichkeiten angeboten. Hier wird günstig bis völlig umsonst / auf Spendenbasis, meist warmes, vegetarisches / veganes Essen ausgegeben, was v.a. in den Großstädten dazu führen kann, dass mensch, wie z.B. in Berlin, von verschiedenen VoKüs auswählen kann bzw. sowohl in der Früh, als auch mittags und abends eine günstige / kostenlose Mahlzeit vorgesetzt bekommt.

Food-Koops

Lebensmittel Kooperativen (oder eben "Food-Koops") sind Zusammenschlüsse von bspw. einzelnen Menschen, WGs oder Kommunen, die gemeinsam, möglichst direkt bei den ErzeugerInnen in grossen Mengen Lebensmittel kaufen. Der grosse Vorteil dieses Verfahrens ist v.a. dass durch den Kauf grosser Mengen der Preisaufschlag des Einzelhandels entfällt, die gekaufte Ware somit also deutlich günstiger wird und so auch ermöglicht werden kann, sich für normalerweise teure ökologische Produkte zu entscheiden.
Die kleinste Form von Food-Koops findet wohl innerhalb von WGs oder Kommunen statt: die BewohnerInnen kaufen ihre Lebensmittel nicht einzeln, lassen danach die Hälfte vergammeln und schmeissen es weg, sondern haben Gemeinschaftsessen das von allen genutzt und dann nach gemeinschaftlichem Plan wieder eingekauft wird. Hier werden zwar i.d.R. keine grossen Mengen gekauft (kommt auf die Grösse des Haushalts an), trotzdem ist diese Verfahrensweise wesentlich günstiger und sinnvoller als die Einzelanschaffungen der BewohnerInnen.
Ähnlich, und jetzt wirds noch interessanter, kann das Prinzip natürlich auch gemeinschaftlich von verschiedenen Haushalten angewandt werden. Hier werden gemeinsam, von allen benötigte Lebensmittel in grossen Mengen gekauft und dann unter den teilnehmenden Haushalten, je nach Bedarf aufgeteilt. Sinnvoll hierfür ist auch ein kühler, trockener Lagerraum mit Kühlschrank und einige für die Verteilung der Lebensmittel benötigten Utensilien.
Wie die genaue Regelung der Verteilung, Arbeitsteilung und Finanzen aussieht bleibt im Grunde den Food-Koops überlassen, wer aber näher daran interessiert ist wie soetwas aussehen könnte ist bspw. mit folgender Seite ganz gut bedient: http://www.bo-alternativ.de/Leitfadn.htm

Weitere Möglichkeiten sind natürlich noch altbewährte Dinge wie nach Ladenschluss bei Bäckereien etc. schnorren, die Tafeln oder ähnliche Organisationen zu kontaktieren bzw. sich von ökologischen Erzeuger - Verbraucher Zusammenschlüssen (in Teilen Bayerns, aber auch in Städten wie Berlin oder in Teilen Österreichs ist das z.B. das Tagwerk) Gemüse-Kisten für wenig Kohle verkaufen zu lassen (hier gibts bspw. das Prinzip der "Reste-Kisten", in denen noch verwendbares, aber optisch nicht mehr in das Schönheitsideal passendes Gemüse und Obst zu Spottpreisen verkauft wird).
 

Waren und Dienstleistungen

Neben Lebensmitteln kann natürlich auch bei sonstigen Waren oder gar Dienstleistungen massiv gespart werden. Auch hier ein paar Beispiele und Anregungen:

Umsonstläden

Wunderbare Einrichtung, die nicht nur den Beschenkten, sondern auch den Schenkenden durchaus von Nutzen sein kann und noch dazu auch sicher viele zum Nachdenken anregt. Das Prinzip der Geschichte ist ganz einfach. Leute die Sachen besitzen, die sie nicht mehr brauchen, die vielleicht auch aus kapitalitstischer Sicht keinen Wert mehr haben, trotzdem aber noch voll funktionstüchtig und zu schade zum wegschmeissen sind, bringen sie in sog. Umsonstläden, wo sie von anderen Leuten kostenlos mitgenommen werden dürfen (und auch wenns viele nicht glauben wollen - es werden mehr als genug Dinge verschenkt so dass nicht nur zum Nehmen, sondern auch zum Geben in die Umsonstläden gegangen wird!). Um was es sich jetzt genau handelt ist im Grunde egal - ob Kleidung, Elektrogeräte oder Bücher, alles kann gebraucht werden.
Meist gibt es eine Begrenzung der Waren, die pro Besuch des Ladens mitgenommen werden dürfen. Dies hat zum Einen natürlich den Sinn, dass sich nicht Einzelne die besten und schönsten Stücke auf einen Schlag sichern, zum anderen aber natürlich auch, dass sie sich Gedanken machen, Rücksicht nehmen und die Frage stellen ob dies oder jenes wirklich notwendig gebraucht wird.
Leider beschränkt sich die Existenz von Umsonstläden momentan noch weitestgehend auf wenige, eher grössere Städte. Trotzdem 'ne verdammt gute Sache - auch um der Konsum- und Wegschmeissgesallschaft ein bißchen Paroli zu bieten! Eine Liste mit Umsonstläden ist hier zu finden!

Tauschringe

Tauschringe funktionieren im Grunde ähnlich den Umsonstläden, dienen aber v.a. dem Tausch von Dienstleistungen. Prinzip hier ist, dass sich jedeR der / die was anzubieten hat bei einer zentralen Stelle meldet (egal ob jetzt bspw. im Internet oder lokal in irgendwelchen linken Zentren oder Unis) und hier die Angebote gesammelt werden. Tja und jetzt kann getauscht und massiv Geld gespart werden: Person X hilft z.B. der Person Y beim Einrichten ihres PCs. Person Y repariert danach die kaputte Waschmaschine von Person Z, während Person Z auf das Kind von Person X aufpasst und den Tauschring somit perfekt macht. Es werden hier normalerweise keine "Geschäftsbeziehungen" zwischen zwei Personen eingegangen, sondern es steht jedem / jeder die gesamte Palette an Angeboten zur Verfügung. Als Gegenleistung muss mensch sich selbst ebenfalls einbringen und die eigenen Fähigkeiten kostenlos zur Verfügung stellen.
In der Regel gibt es, um den "Wert" des Angebots zu bestimmen, virtuelle Konten bei denen z.B. die aufgewendete Zeit verbucht wird um so einseitiges Ausnutzen zu verhinden und ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen zu schaffen. Eine Liste von Tauschringen (geordnet nach PLZ) ist hier zu finden!

Messen

Neben dem Buhlen der Konzerne und Unternehmen um das Geld des Kunden, können Messen auch für Menschen mit wenig Geld durchaus rentabel sein. Eigentlich geht's hierbei aber nicht um die Messe an sich, sondern eher um die Abbauphase. Logischerweise werden auf Messen unzählige Produkte präsentiert und ausgestellt. Diese Präsentations- bzw. Ausstellungsstücke werden von den Firmen aber meist nach den Messen nicht mehr benötigt, da sie ja schon gebraucht und somit nicht mehr zu verkaufen sind. Und genau hier kann jetzt angesetzt werden: während des Abbaus geht mensch durch die Hallen und sucht nach Sachen die er / sie benötigt. Wurde was gefunden haben die meisten Firmen i.d.R. kein Problem damit wenn die Teile kostenlos mitgenommen werden. Die Art der zu ergatternden Ware ist natürlich je nach Messe verschieden - von Elektrogeräten, über Handwerkerteile / Werkzeug bishin zu Büchern ist wahrscheinlich alles zu bekommen ...

Finanz-Koops

Die Finanz Kooperativen sind ähnlich den Food-Koops. Hier wird anstelle von bspw. zehn verschiedenen Konten, nur ein Konto geführt auf das dann jedeR der zehn TeilnehmerInnen sein / ihr Vermögen und den laufenden Verdienst einzahlt, jedoch aber auch über das auf dem Konto vorhandene Geld verfügen kann. In welcher Höhe ohne Rücksprache pro Person verfügt werden darf muss vorher untereinander abgesprochen werden und richtet sich natürlich nach der Höhe der insgesamt verfügbaren Kohle. Grundgedanke hier ist es zum einen eine Art privates, soziales Netz aufzubauen, sowie zum anderen für jedeN mehr Geld zur Verfügung zu stellen.
Bei diesem Prinzip ist es im Grunde nicht so schlimm wenn eineR der TeilnehmerInnen mal ein, zwei oder auch mehr Monate mal weniger Geld beisteuern kann, er / sie kann trotzdem wie alle anderen über das Geld verfügen, stürzt also in persönlich wirtschaftlich schlechterer Lage nicht sofort in die Tiefen der sozialen Abgründe - Leute können quasi aufgefangen werden und es steht den Einzelnen mehr Kohle zu verfügung.
Wichtig ist es bereits bei Eintritt in die Finanz-Koop genau festzulegen wie die Verwendung der getätigten Vermögenseinlagen nach einem eventuellen Ausscheiden einzelner Personen geregelt wird. So sollte u.a. vorher nach Selbsteinschätzung gesagt werden wieviel Startkapital für den Aufbau einer neuen, von der Finanz-Kooperative unabhängigen Existenz für sich selbst nötig wäre - diese jeweilige Summe würde einer / einem dann bei Ausscheiden aus der Koop wieder privat zur Verfügung stehen.
Als Beispiel: Person X zahlt bei Eintritt in die Kooperative ihr Vermögen von 10.000,- Euro auf das Gemeinschaftskonto ein und unterschreibt, dass sie zum Aufbau einer neuen Existenz lediglich 2.000,- Euro benötigen würde. Nach fünf Jahren schlägt Person X andere Wege ein und will aus der Gruppe austreten. Als Startkapital werden ihr die am Anfang festgelegten 2.000,- Euro ausgezahlt, die restlichen 8.000,- Euro bleiben auf dem Konto der Finanz-Kooperative. Auch hier liegt es an den TeilnehmerInnen sich genaue Gedanken über die Umsetzung und zur Vermeidung von Problemen zu machen.
 

Im Endeffekt sind das hier nur einige, wenige Möglichkeiten Geld im Alltag zu sparen und euch werden mit Sicherheit noch tausend andere Sachen einfallen. Falls ihr andere daran teilhaben lassen wollt schreibt mir einfach 'ne Mail, beschreibt die Möglichkeit und innerhalb kürzester Zeit (hm, naja ... hehe ...) wird die Sache hier veröffentlicht ...