Home // Live-Reviews // Driller Killer + Hellblazer Tour
 

Jeder, der schon mal was mit der Organisation einer Tour am Hut hatte, weiß, daß eine Tour eben nicht erst mit der Tour beginnt. Das ganze vorweg-Gehabe will ich Euch mal lieber ersparen und beginne am Mittwoch Morgen, dem Vortag des Beginns. Die Schweden von der Fähre abholen war angesagt. Zum Glück wachte ich erstmal mit dickem Hals und leichtem Fieber auf - super!!! Driller Killer kommen um 09.³° Uhr in Rostock an, drei Stunden Fahrzeit von Halle und halbe Stunde zur Sicherheit drauf, also um sechs Uhr (gähn!) los. Hätte wahrscheinlich auch super geklappt, wenn man nicht nach zehn Minuten erstmal in 'nen absolut geilen Stau mitten in einer Baustelle fahren würde ... Fast zwei Stunden später(!) konnte es schon weiter gehen. Dank absolutem Mega-Geheize war ich dann wenigstens nur eine Stunde zu spät, die die Jungs mit fröhlichem Vernichten schwedischen Dosenbiers auf Sacktemperatur verbracht haben - man muß sich nur zu beschäftigen wissen. Also erstmal zu mir, Saufabend, pennen und am nächsten Vormittag ab nach Braunschweig, um den Rest der Truppe und die Backline zu holen. Leider stellte sich heraus, daß unser Basser seinen Bass verbummelt hat (kein Witz!) und sich noch schnell einen leihen mußte, der obendrein ein Fretless-Modell war, auf dem er noch nie gespielt hatte. Scheiß drauf, ab nach Potsdam ... Wer hätte geahnt, daß die Equipment-Probleme erst losgehen sollten. Ohne größere Probleme und Sorgen kamen wir im Wildpark an. Die Wegbeschreibung wirkte zwar sehr umständlich, war aber vor Ort leicht nachzuvollziehen, also alles klar erstmal. Der Wildpark ist ein frisch besetztes Haus, in dem in Zukunft regelmäßig Konzerte stattfinden sollen und diesen Abend sollte Eröffnung sein. Wir würden also die erste Band sein, die da spielen sollte. Wir wurden freundlich mit kaltem Hasseröder begrüßt und rumgeführt. Der Laden war zwar recht klein, aber die Atmosphäre sagte allen gleich zu, das Essen war lecker und die Leute freundlich und bemüht. Als wir unseren Kram aufgebaut hatten und antesten wollten, ging dank Kurzschluß oder so erstmal gar nix mehr. Es stellte sich heraus, das bei der Aktion sämtlich Sicherungen durchgehauen und Netzgeräte zerstört wurden und das, bevor eine Note erklungen war. Erklären konnte sich das zwar erstmal keiner, aber passiert war's leider trotzdem... Und das auf einem Feiertagswochenende, wo man nix nachkaufen kann! Nachdem Ersatzsicherungen bzw. Ersatzgeräte aufgetrieben wurden, konnte es arg verspätet mit Not-Ausrüstung aber doch losgehen. Der Laden platzte aus allen Nähten und auch wenn anscheinend einige der Anwesenden mit unserem weniger crustigem sondern eher grindigem Material Schwierigkeiten hatten, war's auf jeden Fall spaßig, wenn man davon absieht, daß es mir ziemlich übel ging und ich während der ersten zwei Songs dachte, ich würde kollabieren. Danach spielte eine Band aus Rathenow, deren Namen ich mir ehrlich gesagt nicht merken konnte. Bei Driller Killer war der Laden dann dermaßen voll, daß an Bewegung eigentlich schon kaum noch zu denken war, was die Leute ganz vorne natürlich anders sahen. An Party also kein Mangel. Die schien auch noch die ganze Nacht weiterzugehen, wobei ich es vorzog, mich aufgrund meines angeschlagenen Gesundheitszustandes lieber frühzeitig auszuklinken, daher kann ich dazu wenig sagen. 
Während die ganze Baggage auspennte, sah ich mich morgens etwas in der Umgebung um und war gerade rechtzeitig zum Freiluftfrühstück wieder da. Danach war erstmal Equipment verladen angesagt, bzw. mußte man erstmal jemanden finden, der den extrem aggressiven Hund bändigen konnte, der in dem Raum pennte, wo wir es über Nacht eingelagert hatten. Dann konnte es auch schon weiter gehen. Nach versuchter Umfahrung des obligatorischen Staus, Bestechung der tschechischen Grenzer mit unserem Tape und Einkaufsbummel im Technikmarkt, um unser Equipment weitgehend wieder flott zu kriegen, kamen wir dann irgendwann in der Nähe von Hradec Kralove bei unserem Freund Curby an, der uns ein fantastisches Essen servierte und dann zum Club dirigierte. Dort war im gut gefüllten Club El Diablo eine mehr oder weniger lokale Punkband bereits leicht unmotiviert - entsprechend die Reaktionen - an der Arbeit und eine zweite folgte auf den Fuß, bei der auch nicht mehr los war. Uns schwante übles. Danach kamen Zóna A, wie ich erfahren durfte wohl die bekannteste Punk Band der Slowakei. Und sofort war der Bär los, alles tanzte, hatte die Fäuste in der Luft und sang lauthals mit. Coole Band! Wir waren als nächstes dran und sahen uns schon völlig abkacken. Zum Glück kam's anders: Die Leute gingen gut mit und hatten anscheinend genau wie wir ihren Spaß. Zudem verfügt der Laden über eine Metallstange einen halben Meter vor der Bühne knapp unter der Decke, an der man geil rumhangeln kann, tolle Erfindung!!! Leider war es schon spät und wir wurden gebeten, unseren Set etwas zu kürzen, damit alle noch Driller Killer sehen können, wegen denen  einige recht weit angereist waren. Das war zwar doof, weil die Leute mehr hören wollten, aber man ist ja nicht so. Driller Killer rockten gewohnt ab und kamen entsprechend an. Guter Abend, verdammt guter Abend. Leider gab es in dem Hotel, bzw. einer Art Gästewohnung nur kaltes Wasser, daß aber trotzdem ausgiebig zum Duschen genutzt wurde. 
Die Ausreise war zum Glück leichter als die Einreise und so kamen wir leicht verspätet, aber noch vor den Leuten vom Club im selbigen an. Als kleines organisatorisches Problem stellte sich heraus, daß Frank, der den Gig gebucht hatte, leider heute morgen nach Stockholm geflogen war, da er das Angebot bekommen hatte, Marky Ramone's Tourbus zu fahren. Echt wahr! Nachdem auch hier Ersatz für kaputtes Zeug aufgetrieben wurde, machten wir die unangenehme Entdeckung, daß nur noch ein Mikro intakt war, weswegen Driller Killer erstmal schwer abkotzten, weil einige ihrer besten Songs nunmal mehrstimmigen Gesang brauchten - verdammt! Lektion: Immer Mikros mitnehmen!!!!!!!!!!!! Wäre wohl auch weniger das Problem gewesen, wenn man's rechtzeitig und nicht erst mitten in der Nacht gemerkt hätte, da war natürlich mit Ersatz nix mehr. Dann ging's irgendwann auch mal los und zwar richtig! Der Laden tobte wie die Hölle und man mußte schon Angst davor kriegen, aufzuhören. Selten so viel Spaß gehabt! Driller Killer sahen sich durch das Mikro-Problem zwar etwas in ihrem Spaß gemindert, kamen aber auch gut an und bis tief in die Nacht wurde schwer gefeiert und getrunken. Besonders freute es uns, unseren Kumpel Steffen nebst seiner besseren Hälfte begrüßen zu dürfen, die sich extra den weiten Weg mit der Bahn aus der Nähe von Ulm gemacht hatten.
Fast schon wieder vorbei das Ganze! Die kürzeste Fahrt der Tour stand bevor, nach Halle dauerte es nur wenige Stunden, aber dann nochmal eine halbe, um den Laden zu finden, denn alle Passanten behaupteten, weder ihn noch die Strasse zu kennen, obwohl wir zeitweise gerade mal 50 Meter davon entfernt waren und die Leute schräg gegenüber aus Hauseingängen kamen. Das LaBim ist cool, Leute und Verpflegung vom feinsten. Die Angewohnheit der Zuschauer, dort EXTREM spät aufzutauchen, machte mich zwar leicht nervös, aber am Ende waren doch rund hundert Nasen da! Dank der freundlichen Leihbereitschaft von Fish war auch erstmals eine Show mit fast vollständigem Equipment möglich. Es war für uns insgesamt okay, kam aber von den Reaktionen her bei weitem nicht an die letzten beiden Tage ran. Für Driller Killer sah's anders aus und es war klar, daß der Großteil der Leute wegen ihnen und nur wegen ihnen da war, was ja nicht wirklich überrascht.... Netter Abschluß, denke ich. Danach Saufen bis morgens ums sechs, Duschen - wer wollte oder mußte - und zurück ging's für alle...
Dank geht an: Andy, René, Curby, Martin, den enthusiastischen Grenzer, das nette Mädel aus Hradec Kralove, Lukas, Pumlic, Fish, Frank, Olli, Steffen nebst Gemahlin, Katta, Kay, alle Soundleute, alle, die nett oder hilfreich waren und deren Namen oder ihn zu erwähnen ich vergessen habe.... ...und natürlich Chris für sein Interesse!
Over and out! Bis zum nächsten Mal!

Olli (Hellblazer) 13.04.02