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Vier Jahre sind seit den letzten Bundestagswahlen '98 vergangen. Vier
Jahre die wieder eindrucksvoll gezeigt haben, dass sich durch Wahlen in
unserem System nichts grundlegendes ändern kann. Die Grünen sind
sang- und klanglos zusammengebrochen und nurmehr eine gesichtslose, für
nichts Konkretes mehr einstehende Lachnummer, welche ihre Ideale komplett
verraten und von ihren versprochenen Zielen nicht grossartig viel umgesetzt
hat. Pazifismus? Fuck off, es gilt die deutsche Stellung im globalen Wettlauf
um die politische und wirtschaftliche Machtposition zu sichern und zu stärken
- da ist kein Platz für weinerliches Hippiegeschwafel.
Von der SPD war auch nicht mehr (im Gegenteil: eher weniger) zu erwarten
und sie hat mich nicht enttäuscht. Aus der ehemaligen Arbeiterpartei
wurde die Partei der "neuen Mitte" welche sich in kleinen, aber konstanten
Schritten immer mehr bei den rechten Adressen anbiedert. Im Parteiprogramm
der grossen Parteien lassen sich auch bei genauem Hinsehen keine gravierenden
Unterschiede mehr erkennen, wozu auch? Es gilt an der Macht zu bleiben,
also bloss nirgendwo anecken. Nur keine wirklichen Veränderungen!
Von der PDS hat man die letzten vier Jahre sowieso nicht viel mitbekommen
und ohne Gysi ist die Chance nochmal in den Bundestag zu ziehen eh viel
zu gering um noch weiter drauf einzugehen. Ab und an von ihnen gemachte
Kommentare waren auch nicht das Gelbe vom Ei, also gleich mal vergessen.
Die Frage die ich hier jedoch behandeln möchte ist nicht jene,
welche Partei zu wählen ist, sondern die ob überhaupt gewählt
werden sollte? Und zumindest für mich persönlich kann ich diese
Frage mit einem klaren "Jein!" beantworten, welches aber auch sofort schon
wieder in ein noch viel klareres "Nein!" verwandelt wird. Ich werde zwar
zur Wahl gehen, meinen Stimmzettel jedoch ungültig abgeben.
So ein Verhalten wird von der Masse meistens mit der, ihrer Meinung
nach logischen Konsequenz bestraft, dass diejenigen die gar nicht bzw.
absichtlich ungültig wählen, nach der Wahl auch nicht das Recht
haben sich über die bestehenden Verhältnisse bzw. speziellen
Politiker/Parteien zu beschweren, also werde ich hier mal versuchen ein
bißchen näher auf die Gründe meines Nichtwählertums
einzugehen.
Zunächsteinmal ist es mir natürlich weder egal wer gewählt
wird, noch was kommt, ABER ich bin mir auch darüber im Klaren, dass
ein Machthaber nie und nimmer MEINE Interessen vertreten kann. Ich kann
mich mit keiner Partei identifizieren, also werde ich mich bestimmt auch
nicht dazu zwingen trotzdem zum Wählen zu gehen, nur um meine bescheidenen
Alibigrundrechte unserer Demokratie in Anspruch zu nehmen. Mitbestimmungsrecht?
Gibt's nicht!
Ein weiterer Grund für's Nichtwählen ist, dass ich mit der
Abgabe eines gültigen Stimmzettels zum einen ausdrücke, dass
ich mich eben doch mit der gewählten Partei identifiziere und dass
ich sie zweitens auch noch offiziell dazu legitimiere für MICH zu
sprechen und zu handeln - was ich jedoch natürlich nie ernsthaft tun
würde (auch nicht um Stoiber zu verhindern - da muss es andere Wege
geben!). Diese Legitimation würde mich (im Falle einer Regierungsbeteiligung
der von mir gewählten Partei!) für sämtliche, in den nächsten
vier Jahren von den Politikern begangenen Fehler und geführten Kriege
etc. mitverantwortlich machen, was ich mir jedoch niemals verzeihen würde
und was auch komplett gegen meine Einstellung verlaufen würde.
Das alles sind, in meinen Augen ausreichende Gründe für mich,
NICHT gültig an den kommenden Bundestagswahlen teilzunehmen um somit
irgendjemandem das Recht zu geben sich meinen Kopf zu zerbrechen. Doch
nur (oder gerade deswegen) weil ich mit den Zuständen hier nicht einverstanden
bin und ich in (im Rahmen des in unserem System möglichen!) Reformen
keine Besserungsmöglichkeiten sehe heisst das noch lange nicht, dass
ich sie tatenlos akzeptieren muss. Ich werde auch ohne Wahl für meine
Ziele eintreten und sie versuchen den Menschen näher zu bringen. Auf
diese Scheindemokratie, in der wichtige, mich betreffende Entscheidungen
von irgendwelchen korrupten und geld-, sowie machtgeilen Politikern getroffen
werden kann ich scheissen. Ich hab' kein Recht auf Mitbestimmung, dann
hat auch niemand das Recht auf meine Stimme! |