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Patriotismus. Ein Wort bei dem den einen bereits wieder die Liebe zum
ach so tollen Vaterland hochkommt, während es bei den anderen eher
das Essen von heut Mittag ist. Aber was soll den so schlimm sein - am Patriotismus?!
Ich möchte gleich mal vorwegschicken, dass ich v.a. hier in Deutschland
oft auf hemmungslose Unlogik und Widersprüchlichkeiten, die Begründung
von Patriotismus betreffend, stosse: zum Einen wird die nationalsozialistische
Vergangenheit bzw. die Auseinandersetzung mit ihr weit, weit weggeschoben.
Man will nichts davon hören, es sei ja schon sooo lange her und man
trage schliesslich nicht die Verantwortung für Taten aus der Vergangenheit,
sollte diese Sache also so schnell wie möglich ad acta legen. Zum
Anderen aber wird Patriotismus ebenso oft und durchaus auch von den selben
Personen u.a. mit unserer Vergangenheit und damit verbundenen Kultur begründet:
antike Bauwerke, berühmte klassische Musiker, Dichter und Denker,
Schriftsteller, Maler usw. Alles Dinge also, die überwiegend die Vergangenheit
betreffen, trotzdem aber anscheinend etliche Leute dazu veranlassen dadurch
einen völlig widersprüchlichen Nationalstolz zu entwickeln.
Aber gut, lassen wir diesen Aspekt mal beiseite und widmen uns dem
Patriotismus an sich. Wahre Patrioten leben für ihr Land und das Volk
bzw. die Gemeinschaft, stehen jedoch auch voll hinter "ihrem" Staat und
seinen Taten, was aus anarchistischer Sicht ja schon Grund genug für
eine ablehnende Haltung dem Patriotismus gegenüber ist. Die Gefahr
die im Patriotismus steckt ist eine simple, wie im Grunde auch logische
Folge des Gefühls von totaler Verbundenheit und Stolz auf das Land.
Egal auf welches Subjekt man stolz ist, man baut sich von diesem eine Idealvorstellung
auf, welche es nun natürlich mit allen Mitteln zu verteidigen / aufrechtzuerhalten
gilt. Tauchen jetzt "Störfaktoren" oder andersartige Elemente auf
welche an der Fassade dieser Idealvorstellung kratzen bzw. nicht zu Hundert
Prozent in ihr Bild passen werden diese Elemente logischerweise abgelehnt
oder gar bekämpft. Im Falle des "Vaterlandstolzes" könnten solche
Elemente z.B. Ausländer, Homosexuelle, sog. "Asoziale", Behinderte,
Punks, Alternative usw. sein. Fängt jetzt der Patriot an diese Elemente
von seiner glänzenden Fassade zu entfernen schlägt der Patriotismus
schnell in Diskriminierung, Hass oder gar (sowohl physische als auch psychische!)
Gewalt um - eine fatale Folge!
Einen weiteren, damit zusammenhängenden Problempunkt sehe ich
in der Gefahr einer völlig überhitzten und kopflosen Reaktion
auf (vermeintliche) Angriffe. Hierbei spielt es wohl auch keine Rolle ob
diese Angriffe physischer oder verbaler Natur sind, sie stellen eine weitere
Beschmutzung des über alles geliebten Vaterlandes dar und müssen
somit bekämpft werden. Rationales und vernünftiges Denken kann
hierbei zu akuter Mangelware werden, was somit (auf politischer Basis)
Konflikte entstehen lassen kann, die in der Lage sind Beziehungen zu schädigen
oder zu zerstören bzw gar physische (sprich kriegerische) Folgen hervorzurufen.
Zu erwähnen bleibt ebenfalls die eventuell grenzenlose Solidarität
patriotischer Bürger mit der jeweils staatlichen Politik. Je mehr
Menschen eines Volkes aufgrund patriotischer Überzeugung mehr oder
weniger bedingungslos hinter dem Staat stehen, desto grösser ist die
Chance, dass dieser seine damit in's Uferlose steigende Macht ausnutzt
bzw. zu seinem eigenen Vorteil einsetzt. Wirklich kritisches Hinterfragen
der jeweils aktuellen Taten der Politik durch die Bürger bleibt aus,
eine Art Blankoscheck zum Handeln wird ausgestellt. Auch dies kann oben
bereits beschriebene Probleme zur Folge haben.
Bleibt abschliessend noch anzumerken, dass Staaten, Nationen bzw. Grenzen
allgemein für'n Arsch sind. Menschen anderer Herkunft werden ausgegrenzt,
persönliche Freiheiten werden auf's derbste beschnitten, Menschen
werden künstlich in verschiedene völkische Gruppen eingeteilt,
was Konflikte zwischen ihnen zur Folge hat, imperialistische und machtpolitische
Interessen treten verstärkt auf und werden konsequenterweise auch
versucht umgesetzt zu werden, Rivalität, Neid, Konkurrenz, bis hin
zu Hass und Gewalt entsteht. Wann fangen die Leute endlich an zu akzeptieren,
dass wir alle nur Menschen sind; dass Grenzen künstlich gezogen und
nur aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen verschiedene Individuen
zu einer Gruppe zusammengeschlossen und somit von anderen Individuen (welche
dasselbe Schicksal ereilte) abgetrennt wurden? Wann sehen sie endlich ein,
dass diese nationalen bzw. völkischen Zusammenstellungen willkürlich
sind und jedeR von uns, bei entsprechendem Kriegsausgang und folgender
Ziehung der Grenzlinien genausogut auch Österreicher, Italiener oder
Franzose sein könnte?
Diese Kritik am Patriotismus ist bei weitem nicht vollständig
- sie stellt lediglich die mir, mit unter am logischsten erscheinenden
Kritikpunkte dar. Diese Punkte können weder allgemein gültig
bewiesen noch widerlegt werden, jedoch spiegeln sie meine persönlichen
Erfahrungen mit Patriotismus wider und zeigen mögliche Gefahren auf
- die wenigsten Patrioten können sich meiner Meinung nach dieser Gefahren
verwehren, deshalb: Fuck patriotism! Fuck intolerance! Fuck xenophobia!
Patriotism kills! |