Home // Politik // Hausbesetzung(en) in München
 

Am 14.12.02 besetzte die Gruppe ROB IN HAUS ein seit Jahren leerstehendes Gebäude der Deutschen Bahn AG (welche sofort Räumungsklage eingereicht hatte) an der Landsbergerstraße mit dem Ziel dieses als günstigen, sozialen Wohnraum, sowie als Kulturzentrum nutzen zu können und eine öffentlichkeitswirksame Aktion gegen Wohnungsnot in München durchzuführen. Unter dem Motto "Wohnraum ist keine Ware, sondern ein soziales Gut!" soll somit eine "Reihe von Aktionen gegen Mietwucher, Segregation und der Vermarktung von Grundbedürfnissen" in München beginnen.
Gegen 12°° Uhr gaben sich die Besetzer, die sich ungefähr zu zehnt im Haus befanden, zu erkennen. Vor dem Haus sammelten sich Schätzungen zufolge nach und nach ca. 100 bis 200 Leute welche die Aktion und die Leute im Haus unterstützen wollten, sowie etliche Pressevertreter. Erst nach ca. einer Stunde wurde die Besetzung zufällig von einer vorbeifahrenden Polizeistreife bemerkt und verbeamtete Verstärkung in grün angefordert, welche auch kurz darauf mit einer Hundertschaft samt Hunden eintraf und die Strasse absperrte. Nach ungefähr drei Stunden und einigen Verhandlungen wurde von Seiten der Staatsdiener damit gedroht erst die Versammlung vor dem Haus aufzulösen und danach das Gebäude selbst gewaltsam zu räumen, worauf die BesetzerInnen aufgaben, in Polizeigewahrsam genommen und nach einigen Stunden mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Zum selben Zeitpunkt fanden im ganzen Stadtgebiet noch vier von unbekannten durchgeführte Scheinbesetzungen statt, wobei die Letzte offenbar erst am folgenden Tag von der Polizei entdeckt und "geräumt" wurde.
Eine kurz vor der Besetzung herausgegebene Pressemitteilung versuchte währenddessen die Öffentlichkeit über bestehende Missstände zu informieren. So wurden vor allem die überteuerten Mieten, welche sich in erster Linie von wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen nicht geleistet werden können, kritisiert, jedoch auch die zigtausend Quadratmeter leerstehenden Büroflächen angesprochen, während Wohnraum immer knapper wird und die Münchner teilweise bis zu 60% ihres Einkommens für Wohnungen abdrücken müssen! Die Verantwortung hierfür wird zwischen Bundesbauministerium, der Stadt München und dem Freistaat Bayern konsequent hin- und hergeschoben, während immer mehr (natürlich Gewerbesteuer bringendes) Gewerbegebiet entsteht. Gefordert wurde eine Unterstützung von sozialen, nicht auf Gewinn abzielenden Wohnbauprojekten, sowie "die Nutzung leerstehender Häuser in München".
Laut ROB IN HAUS wird die Besetzung "als Erfolg gewertet, [da] der Stadt gezeigt wurde, dass schön langsam der soziale Friede in Gefahr gerät, wenn sie nun nicht ernsthaft handelt". Gleichzeitig fielen auch öffentliche Presseberichte überraschend positiv aus und selbst konservative Zeitungen konnten den Argumenten der BesetzerInnen wenig entgegensetzen.

Kein Geschäft mit den Grundbedürfnissen der Menschen! Miethaie zu Fischstäbchen! Freiräume schaffen! Besetzen statt besitzen!