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Also kann man nix Genaues wissen nicht? Doch. Ein bißchen was doch. Anarchie ist Abwesenheit von Herrschaft in all ihren Formen und Ausprägungen. Einerseits. Andereseits ist das zu ungenau.
Anarchie ist die Abwesenheit von faßbaren Zwängen, von greifbarer Herrschaft. Und zwar je greifbarer, benennbarer und kritisierbarer Macht ist, desto abwesender wird sie in einer anarchistischen Gesellschaft sein.
Das ist nebenbei schon ein guter Grund sich ein bißchen mit Theorie zu beschäftigen - etwas das viele Leute ungern tun. Theorie soltle nälmiche keine Domäne von Menschen sein, die sich für besonders gescheit halten - einmal davon abgesehen, dass es so etwas wie Intelligenz in Wirklichkeit nicht gibt. Aber das ist noch eine ganz andere Geschichte. Jeder der es wissen will, muss sich die Sache schon antun: Nachdenken, sich eine Meinung bilden.
Theorie, wenn sie was taugen soll, braucht sich nicht bestimmter Verfahrensregeln, bestimmter Methoden, Wörter und Begriffe zu bedienen. Theorie soll mir helfen die Welt in der ich lebe zu verstehen. Zu allgemein? Ja, zu allgemein.
Sie soll mir helfen zu verstehen warum mein Leben schön oder unerträglich ist. Die zentrale Behauptung der anarchistischen Theorie ist - und da sind sich "die Anarchisten" in all ihren verschiedenen Strömungen ziemlich einig - dass unter Herrschaft die Beherrscten leiden. Dass auch die Herrschenden dabei nicht gücklich werden ist hier vergleichsweise kein wirklicher Trost. Die Theorie muss mir also behilflich sein zu begreifen was das für eine Art Herrschaft ist, unter der ich lebe - was ihre zentralen Momente sind. Sie muss erklären, welche Zwänge für Herrschaft in ihrer Totalität unverzichtbar sind, sie muss mir weiter einen zarten Hinweis darauf geben welche Zwänge leichter auszuhebeln sind als andere.
 

Nix mit Haupt- und Nebenwiderspruch >>