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Der Anarchismus beschränkt sich in seiner Kritik nicht damit, die "Missstände" die er konstatiert, reformieren zu wollen. Der Anarchismus ist eine revolutionäre Anschauung, die die Verhältnisse umstürzen will.
Das neue Leben kann kein Abklatsch des alten sein: nicht der Versuch, sich verklärend-romantisch auf eine heile Welt zuvor zu beziehen. Es gab kein "Goldenes Zeitalter", das nur wiedererschaffen werden müsste. Solche Anschauungen tummeln sich zu Hauf im Umfeld der kritischen Bewegungen:
Einerseits gibt es natur-romantische Ideen, die sich auf den quasi "Edlen Wilden" beziehen, der in seiner Einheit mit der Natur sozusagen "unschuldig" ist, den die Zivilisation nicht verdorben hat. Es ist die falsche Kritik an der Zivilisation, der die Anschauung hervor bringt, nur ein Wesen, das nicht durch Technik und Fortschritt sich der Welt vermittelt, kann frei sein. Nur ist die "Freiheit des Wilden" in der Natur eben nicht Freiheit, sondern völlige Fremdbestimmung durch eine feindliche Umwelt, der in einem permanenten Kampf das Lebensnotwenige abgerungen werden muss. Freiheit ist erst dann möglich, wenn der Kampf ums Überleben überwunden wird. Wer den ganzen Tag damit beschäftigt ist, sich die Bananen zusammen zu sammeln, ist von seiner materiellen Not bestimmt - das Schlaraffenland gibt's nicht, wo die Hendln in den Mund reinfliegen. Und mal abgesehen davon, dass die Naturvölker von den banalsten Infektionskrankheiten dahingerafft werden.
Freiheit verlangt materiellen Überfluss. Freiheit verlangt freien Zugang zum materiellen Überfluss. Die einzige Möglichkeit, diesen Überfluss herzustellen ist sich von der direkten Auseinandersetzhung mit der stofflichen Natur zu befreien. Durch den technischen Fortschritt erst wird es möglich, den Zugang zu den Gütern für alle zu gewährleisten. Jeder Mangel, jede Mühe und Plage, die heranzuschaffen ist Nährboden für Herrschaft. Wer Verfügungsgewalt über rare Ressourcen hat, verfügt über Gewalt, die er gegen andere in seinem Interesse einsetzen kann. Auch der Kapitalismus fusst darauf, dass eine Midnerheit die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel besitzt. Dass Maschinen gerichtet sind, dass sie Mittel zur Unterdrückung sind und die Umwelt zerstören liegt nicht daran, dass sie technisch sind, sondern in ihrem Verwendungszweck: zur Vermehrung privaten Profits, zur Anhäufung von Macht. Alle Forschung, Planung und Konstruktion unterliegt heute dem Primat der Profitmaximierung. Es kann nicht darum gehen, sich er Technik zu entziehen, freiwillig in die Steinzeit zurückzukehren, sondern die Technik durch den Menschen zu erobern, den Ausbeutern zu entreissen und zu beginnen, sie für die Bedrüfnisse und Interessen der Leute einzusetzen.
Heute werden neue Maschinen in der Produktion nicht dazu eingesetzt die Menschen von Mühe, Plage und Gefahr zu befreien, sondern um im kapitalistischen Wettbewerb einen Vorteil zu erringen. Was potentiell das Leben erleichtern kann, wendet sich gegen die Menschen. Rationalisierung bedeutet heute, ArbeiterInnen von ihren Lebensressourcen zu beschneiden, Arbeit und dadurch Ausbeutung zu intensivieren.
In einer anarchistischen Gesellschaft soll notwenige Arbeit, die immer auch Zwang ist, so gut es die technologische Entwicklung zulässt abgeschafft werden. Dies ist nur durhc konsequente Ausnützung der Maschinerie möglich. Was Maschinen automatisch erledigen muss kein Mensch machen.
Da in der anarchistischen Gesellschaft die Ausbeutung und Profitgier aufgehoben sind, bedarf es nicht mehr jenes gewaltigen Unterdrückungs- und Verwaltungsapparates, der heute notwndig ist um die Ausbeutung aufrecht zu erhalten. Was heute alles in Polizei, Vewaltung und Militär an Ressourcen verschwendet wird, ist dann zum Genuss frei. Ebenso werden viele "Berufe" verschwinden, die nichts anderes im Sinn haben als den Leuten irgendein Zeugs einzureden - Ideologieproduktion, Werbung und so weiter. Alleine dadurch würde sich bei gleichmässiger Aufteilung der notwenidigen Arbeit die Arbeitszeit radikal verkürzen. Bereits Studien aus den 20er Jahren belegen, dass unter solchen Umständen die notwendige Tagesarbeitszeit damals bei drei Stunden lag (Grossmann).
Im Anarchismus wird es aber keinen Arbeitszwang geben. Dieser ist auch gar nicht notwendig. Wenn man nur die technologische Entwicklung seit den 20er Jahren sich vor Augen hält, wird einem klar wie gering heute die Aufwendungen für notwenidige Arbeit sein werden.
Es wird keinen Verkauf und damit auch kein Geld geben. Denn Geld ist nichts anderes, als ein Berechnungsmittel um die gestohlene Arbeitszeit zu verwalten. Es ist der numerische Ausdruck für in den Waren materialisierte Ausbeutung. Die Verfügung über die Güter wird frei sein, jeder sich das einfach nehmen, das gebraucht/gewollt wird. Und diesbezüglich lehnen wir auch alle Arbeiten von "pädagogischen" Ansätzen ab, die zwischen wirklichen und aufgesetzten Bedürfnissen unterscheiden. Es weiss noch immer jeder für sich selbst am Besten, was gut tut und was nicht. Alle Bedürfnisse die geäussert werden, sollen auch erfüllt werden. Alle Moral, die hier zu walten müssen gedenkt, bedarf eines Zwangsmittels um diese auch durchzusetzen zu können. Und solche lehnen wir ab.
Wir lehnen ds Konzept einer Avantgarde ab, die vorgibt besser über die Leute bescheid zu wissen als sie selbst. Es braucht weder Pfaffen noch Berufsrevolutionäre um über die "richtige" Freiheit zu entscheiden. Wir werden keinen "Neuen Menschen" schaffen, denn ein solchen Unterfangen ist gleichbedeutend mit "chirurgischen" Eingriffen in der Gesellschaft um das "Krebsgeschwür" des Menschen, wie er heute nunmal ist, zu entfernen. Das heisst Umerziehungslager und Vernichtung der "Unwilligen". Befreiung lässt sich nicht oktruieren. Befreiung ist ein aktiver Akt, der selbst vollzogen werden muss. Geschaffen können nur Objekte werden, Subjekte setzen sich selbst.
Darum ist es auch unmöglich vorherzusagen oder gar zu bestimmen wie eine anarchistische Gesellschaft konkret aussehen wird. Der Anarchismus taugt nicht für Sandkastenspiele von Hobbystrategen und -politikern. Alle Menschen und selbstverständlich auch die Anarchisten sind in ihren Vorstellungen heute von der jetzigen Welt geprägt - alle keinnen nur ein Leben in Ausbeutung und Unterdrückung. Von Herrschaft und Entfremdung wird sich die Vorstellung erst dann befreien können, wenn die materiellen Grundlagen, die wirkliche, reale Befreiung von Herrschaft und Ausbeutung, vollzogen sind.
 

Also kann man nix genaues wissen nicht? >>