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Sowohl jegliche Form der Herrschaft, als auch jegliche Befreiung davon, fußt in der Ökonomie. Und die geht weiter als die leidige Frage nach dem schnöden Mammon. Dieser selbst ist nur eine Abstraktion der sozialen Verhältnisse, der Art und Weise wie Menschen zu dem nötigen Zeugs kommen, wie sie dafür und zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse mit den anderen Menschen umgehen.
Und wir behaupten: die Ökonomie ist die Grundlage allen Seins. Weder ein Gott, noch eine "Idee" oder ein Prinzip bilden die Basis des Seins. Unser Sein liegt einfach darin, dass wir unser Leben nur in der Auseinandersetzung mit unserer Umwelt leben können. Nichts anderes ist wesentlich! Eine der schon beinah ewigen Betrügereien denen die Menschen unterliegen ist, dass es eben nicht diese - im Grunde einfache und sehr praktische - Tatsache ist, die die Form des Lebens als auch des "Glückes" bestimmt, sondern eben irgendein Geistewesen, dessen zu Liebe man sich in der Entbehrung ergehen sollte.
Diese "Geisteswesen" sind dem Wandel der Zeit unterlegen: mal sind es die Götter, dann der Gott und ein anderesmal eine metaphysische Kategorie - Nation, Ehre, Familie etc. Die Grundlage des Wandels der ideologischen Abschmiererei ist wiederum die Art und Weise, wie die jeweilige Gesellschaft ihr Auskommen organisiert, welche Ressourcen und Methoden ihr zur Verfügung stehen - die Ökonomie.
Wenn wir heute von Ökonomie reden meinen wir den Kapitalismus, der schon seit gut 200 Jahren das gesamte Wirtschaften auf der Welt bestimmt. Der Kapitalismus ist die bisher einzige Ökonomieform, die universell und total das gesamte menschliche Leben in all seinen Ausformungen beherrscht. In der Jahrhunderte dauernden Blutgeschichte des Kapitals wurde auch noch der letzte Winkel dieser Welt erfasst, verwaltet und allenfalls mit Cola "beglückt". Und das ist nicht nur geographisch gemeint!
Der Kapitalismu ist mehr als nur "böse" Kapitalisten - egal ob klassisch, mit Zylinder und Zigarre oder hip-modern mit Notebook und Sonnenbrillen - die Arbeiter schinden. Der Kapitalismus ist ein systematisches Prinzip, das den ganzen Menschen umfasst, seine Beziehungen, Befindlichkeiten, Ausdrucksweisen - egal ob physisch oder psychisch. Und gerade darum ist die Frage nach den Mechanismen, die den Kapitalismus verursachen die wesentliche zur Befreiung.
So praktisch-banal der Kapitalismus die Arbeitskraft ausbeutet - und wenn er ungehemmt ist schickt er eben auch kleine Kinder in Bleiminen - so fatal ist das Prinzip auf dem er beruht: die Ware.
Die Ware ist die abstrakteste Form in der sich Ausbeutung und Herrschaft ausdrücken können. Nichts existiert, das nicht der Ware unterworfen ist.

  • Die Enteignung ist total: aus Subjektivität wird Individualität, wird Objekt fremder Begierde.
  • Das Leiden ist grenzenlos: Der Körper, der Geist, das Gefühl.
  • Das Eigene ist nichtig: niemand ist für sich selbst, jeder ist Nutzen.
Die Ware ist die absolute Form der Vermittlung. Sie entspringt dem gesellschaftlichen Verhältnis, dass die Verausgabung des Menschen, seine Auseinandersetzung mit der Natur einem anderen gehört. Die Umformung der Natur zum Zwecke des genusses ist die grundlegende Tätigkeit des Menschen. Diese wird zur Arbeit. Das Paradoxon der kapitalistischen Geschichte ist, dass die Ausbeutung durch Arbeit zunimmt - und zwar im selben Ausmass wie die Produktivität steigt, neue Maschinen entwickelt werden usw.
Da alles und jedes nur durch entfremdete Arbeit erzeugt wurde, da alle in solchen Verhältnissen leben ist das Ganze Ware. Und: die Ware ist alles, die Welt ist nichts. Und die Wirklichkeit der Ware ist nicht ihre dingliche Form, diese ist beliebig. Es ist Zufall wenn die Ware Brot ist: die Ware ist nur Brot, weil sie für die Ware Arbeitskraft einen Nutzwert hat. Ihre eigentliche Form ist, das sich die Arbeitskraft warenmässig verdingen muss um die für sie lebenswichtige Ware Brot erstehen zu können. Die Ware ist das gesellschaftliche Verhältnis, das Menschen zwingt sich zur Ware zu machen.
"Dagegen hat die Warenform und das Verhältnis der Arbeitsprodukte, worin sie sich darstellen, mit ihrer physischen Natur und den daraus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaffen. Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt." (MEW, Bd. 23, S. 86)
Die Ware trennt die Menschen von der Welt, von den anderen Menschen und von sich selbst. Die Ware zerstört den Zusammenhang der Welt und setzt sich selbst als Universum. Die Welt der Ware ist die Welt als Bilder. Und wer sich umsieht, sieht nichts als Ware. Die Menschen sind leere Hülsen, Träger von Ware, die nichts anderes tun als Waren herzustellen um Waren zu konsumieren. Die Ware ist für alles zuständig, sie frisst alles auf was es gibt und was geschaffen wird um es in den gleichförmigen Brei umzuwandeln.
Und sie verkauft sich selbst als Heilung von dem Leid, das sie selbst schafft. Sie zerstört die Subjekte und gibt ihnen Individualität. Jeder akzeptiert, dass alle Menschen verschieden sind und doch tun alle das Gleiche; es ist ein riesiger Ameisenhaufen in dem sich alle nach einem Plan bewegen, den sie selbst nicht kennen.
Und jeder wird seine Besonderheit behaupten, sich von den anderen Warenmenschen abgrenzen wollen - "alle san Dodl'n ausser dir und mir und bei dir bin i ma ned ganz sicher". Und sie können sich dadurch abgrenzen indem sie sich mit Objekten umgeben, behängen, die die anderen nicht haben - all diese Objekte können nachgerade nur Waren sein.
Die Ware findet ihren Ausgangspunkt in der Produktion. Der klassische Ort der Produktion ist die Fabrik und nur weil es jetzt plötzlich heisst wir lebten in der Informationgesellschaft, wo andere Dingen wichtig sind, heisst das noch lange nicht, dass der Kram der uns umgibt plötzlich vom Himmel fällt. Im Gegenteil, immer mehr wird in Fabriken produziert. Egal wieviel Maschinen in der Fabrik rumstehen, es sind noch immer Menschen, ArbeiterInnen, die die Maschinen bedienen, die die Rohstoffe rein- und die fertigen Waren rausschaffen.
Das Proletariat - ja das gibt's noch, mehr denn je - ist die eigentliche Existenzform im Kapitalismus. Das Kapital rottet dauernd andere Formen aus und transformiert alles Lebendige in die proletarische Warenform. Das Proletariat ist die verabscheuenswürdigste und elendste Lebensform die es gibt. Das Proletariat ist reine Ware, es hat nichts, nicht einmal den Leib, den es dem Kapital zur Verfügung stellen muss. Proletarisches Leben ist Prostitution in Reinkultur.
Und Proletariat ist natürlich mehr als die Hackler am Fliessband. Alle Bereiche der Warenproduktion, -zirkulation und -reproduktion sind kapitalisiert. Alle Personen, die dort arbeiten proletarisiert. Selbstverständlich ist einE KellnerIn bei McDonalds so was wie einE FliessbandarbeiterIn der Reproduktion. Die Verhältnisse sind trist. Und dafür, dass diee tristen Verhältnisse nicht über den Haufen geworfen werden, dass die Leute sehr wohl jeden Tag in die Arbeit fahren, den Ramsch auch wirklich kaufen, braucht es Strukturen und Personen, die dafür sorgen, dass alles so bleibt wie es ist.
 
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