| Home // Politik
// Anarchie
Sowohl jegliche Form der Herrschaft, als auch jegliche Befreiung davon,
fußt in der Ökonomie. Und die geht weiter als die leidige Frage
nach dem schnöden Mammon. Dieser selbst ist nur eine Abstraktion der
sozialen Verhältnisse, der Art und Weise wie Menschen zu dem nötigen
Zeugs kommen, wie sie dafür und zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse
mit den anderen Menschen umgehen.
Da alles und jedes nur durch entfremdete Arbeit erzeugt wurde, da alle in solchen Verhältnissen leben ist das Ganze Ware. Und: die Ware ist alles, die Welt ist nichts. Und die Wirklichkeit der Ware ist nicht ihre dingliche Form, diese ist beliebig. Es ist Zufall wenn die Ware Brot ist: die Ware ist nur Brot, weil sie für die Ware Arbeitskraft einen Nutzwert hat. Ihre eigentliche Form ist, das sich die Arbeitskraft warenmässig verdingen muss um die für sie lebenswichtige Ware Brot erstehen zu können. Die Ware ist das gesellschaftliche Verhältnis, das Menschen zwingt sich zur Ware zu machen. "Dagegen hat die Warenform und das Verhältnis der Arbeitsprodukte, worin sie sich darstellen, mit ihrer physischen Natur und den daraus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaffen. Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt." (MEW, Bd. 23, S. 86) Die Ware trennt die Menschen von der Welt, von den anderen Menschen und von sich selbst. Die Ware zerstört den Zusammenhang der Welt und setzt sich selbst als Universum. Die Welt der Ware ist die Welt als Bilder. Und wer sich umsieht, sieht nichts als Ware. Die Menschen sind leere Hülsen, Träger von Ware, die nichts anderes tun als Waren herzustellen um Waren zu konsumieren. Die Ware ist für alles zuständig, sie frisst alles auf was es gibt und was geschaffen wird um es in den gleichförmigen Brei umzuwandeln. Und sie verkauft sich selbst als Heilung von dem Leid, das sie selbst schafft. Sie zerstört die Subjekte und gibt ihnen Individualität. Jeder akzeptiert, dass alle Menschen verschieden sind und doch tun alle das Gleiche; es ist ein riesiger Ameisenhaufen in dem sich alle nach einem Plan bewegen, den sie selbst nicht kennen. Und jeder wird seine Besonderheit behaupten, sich von den anderen Warenmenschen abgrenzen wollen - "alle san Dodl'n ausser dir und mir und bei dir bin i ma ned ganz sicher". Und sie können sich dadurch abgrenzen indem sie sich mit Objekten umgeben, behängen, die die anderen nicht haben - all diese Objekte können nachgerade nur Waren sein. Die Ware findet ihren Ausgangspunkt in der Produktion. Der klassische Ort der Produktion ist die Fabrik und nur weil es jetzt plötzlich heisst wir lebten in der Informationgesellschaft, wo andere Dingen wichtig sind, heisst das noch lange nicht, dass der Kram der uns umgibt plötzlich vom Himmel fällt. Im Gegenteil, immer mehr wird in Fabriken produziert. Egal wieviel Maschinen in der Fabrik rumstehen, es sind noch immer Menschen, ArbeiterInnen, die die Maschinen bedienen, die die Rohstoffe rein- und die fertigen Waren rausschaffen. Das Proletariat - ja das gibt's noch, mehr denn je - ist die eigentliche Existenzform im Kapitalismus. Das Kapital rottet dauernd andere Formen aus und transformiert alles Lebendige in die proletarische Warenform. Das Proletariat ist die verabscheuenswürdigste und elendste Lebensform die es gibt. Das Proletariat ist reine Ware, es hat nichts, nicht einmal den Leib, den es dem Kapital zur Verfügung stellen muss. Proletarisches Leben ist Prostitution in Reinkultur. Und Proletariat ist natürlich mehr als die Hackler am Fliessband. Alle Bereiche der Warenproduktion, -zirkulation und -reproduktion sind kapitalisiert. Alle Personen, die dort arbeiten proletarisiert. Selbstverständlich ist einE KellnerIn bei McDonalds so was wie einE FliessbandarbeiterIn der Reproduktion. Die Verhältnisse sind trist. Und dafür, dass diee tristen Verhältnisse nicht über den Haufen geworfen werden, dass die Leute sehr wohl jeden Tag in die Arbeit fahren, den Ramsch auch wirklich kaufen, braucht es Strukturen und Personen, die dafür sorgen, dass alles so bleibt wie es ist. |