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Da in der heutigen Linken der Israel / Palästina Konflikt einen sehr grossen Streitpunkt darstellt und immer wieder zu grösserem Ärger oder gar Spaltungen innerhalb der Linken (siehe bspw. Vorbereitungen zur 1. Mai Demo in Berlin!) bzw. bei Kritik an der israelischen Politik sehr schnell zu oft paradoxen Antisemitismus Vorwürfen (v.a. durch die "Antideutschen Kommunisten") führt, hab ich mich zu einem Interview mit der wohl am nähesten am Geschehen sitzenden Anarchopunk Band DIR YASSIN aus Israel (dessen Mitglieder allesamt Juden sind) entschlossen. Ich denke es ist ziemlich aufschlussreich und interessant geworden und bringt vielleicht etwas Licht in diese extrem komplexe Situation ... Hi, wie gehts? Erzähl doch mal was über die Bandgeschichte etc.
Aber nochmal: die Tatsache, dass wir jüdisch sind macht es für uns wesentlich einfacher als für Araber unsere Ansichten auszudrücken und einige Dinge zu tun. Es sind die arabischen Systemkritiker die unter wirklicher Strafverfolgung leiden und ihr Leben in Gefahrn bringen, insofern wäre jegliche Art von Vergleich zwischen unserer und ihrer Situation lächerlich. Wir (jüdische Bürger Israels) hab ein sehr, sehr einfaches Leben verglichen mit allen Palästinensern und ich denke, dass es unsere Aufgabe ist unsere Privilegien dafür zu nutzen das israelische Apartheidsystem zu zerstören!!!
Heutzutage ist es nahezu unmöglich HC/Punk auf Vinyl zu finden, ausser man bestellt es per Post. Es ist sogar schwer das eher DIY Zeux auf CD zu finden, aber es scheint so als würden mehr Kids im Ausland bestellen. Ich schätze, dass das Internet eine Menge damit zu tun hat. Einige Kids verkaufen auch Zeux auf Shows oder machen billige lokale Versionen von ausländischem Zeug um den Leuten die Musik näher zu bringen.
Also während sie ein moderner Versuch aber dennoch durch ältere jüdische Traditionen und Erwartungen beeinflusst war, fand die zionistische Bewegung (in ihren verschiedenen Manifestationen) bei vielen jüdischen Menschen, von religiösen Traditionalisten bishin zu Sozialisten und Kommunisten Anklang. Aber nochmal: das bedeutet nicht, dass alle jüdischen Menschen im späten 19. Jahrhundert oder später zum Zionismus tendierten - selbst heutzutage leben die meisten Juden ausserhalb Israels. Während Tausende bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges von Europa nach Palästina auswanderten (heutiges Israel, welches damals Teil des türkischen osmanischen Reiches war und später von den Briten regiert wurde), gab es im Land immernoch eine arabische Mehrheit bis weit in die 40er Jahre hinein. Die meisten Bewohner lebten dort seit vielen Generationen und die jüdischen Gemeinden in Palästina waren relativ klein. Der Holocaust war für viele Juden die Bestätigung, dass sie ein eigenes Land brauchen. Obwohl es auch schon vor der Ankunft von Überlebenden des Holocaust und europäischen Flüchtlingen Pläne für die Erschaffung eines jüdischen Staates in Palästina gab (was viele Zionistenführer forderten und über das sie viel schrieben) stand dessen Erschaffung nach dem Zweiten Weltkrieg nahe bevor. Die UN stimmte für eine Teilung Palästinas in zwei Staaten (ein jüdischer und ein arabischer) aber die (arabischen) Palästinenser lehnten diesen Vorschlag ab. Krieg folgte und das Resultat war die Erschaffung des Israelischen Staates in dem ganzen Gebiet. Einige sagen jetzt vielleicht, so wie die Mehrheit der zeitgenössischen Israelis, dass es Palästinas Fehler war der Teilung nicht zuzustimmen und dass sie all die Probleme selbst geschaffen haben. Andere antworten vielleicht, dass die ganze Idee, dass Araber ihr Land in dem ihre Familien schon seit einigen Generationen leben für Juden aufgeben die gerade erst angekommen (oder auf dem Weg dorthin) waren, absurd war. Vergiss nicht, dass die Antwort nur sehr kurz ist, viele Dinge nicht berücksichtigt und etliche grundsätzliche Annahmen nicht hinterfragt wurden. Man könnte z.B. zweifellos den Standpunkt vertreten (wie es auch einige taten!), dass ein wichtiger Teil der zionistischen Führung 1947-1948 der UN Teilung nur aufgrund von taktischen Gründen zustimmte und eigentlich darauf erpicht war die Grenzen bei der ersten passenden Gelegenheit für sich zu beanspruchen. Und es gibt noch viele, viele weitere wichtige Einzelheiten, die bei den "offiziellen Texten" einfach weggelassen wurden. Auf jeden Fall war eine der Folgen des "War of Independence" (wie die Israelis ihn nennen) bzw. des "Nakba" (arab. "Katastrophe", wie ihn die Palästinenser bezeichnen) von 1948, die Vertreibung von hunderttausenden arabischen Palästinensern, meistens in benachbarte arabische Länder und viele wurden zusammen mit ihren Nachkommen Flüchtlinge. Eine Menge davon sind es sogar immernoch. Viele andere wurden getötet, so wie beim Massaker in Dir Yassin, ein Dorf kurz vor Jerusalem. Die arabische Bevölkerung die in Israel blieb wurde viele Jahre lang den Militärs unterworfen und sie werden de facto immernoch diskriminierd (z.B. durch kleinere städtische Etats, Darlehen, Baugenehmigungen etc.), selbst wenn sie die israelische Staatsbürgerschaft besitzen. Nach dem sogenannten "Sechs Tage Krieg" 1967, gewannen die Israelis die Kontrolle über relativ grosse Gebiete ihrer Gegner - Ägypten, Syrien und Jordanien. Zu der Zeit tauchten auch die "besetzten Gebiete" Cisjordanien (Westjordanland???) und Gaza auf. Das Gebiet um Sinai wurde nach einem Friedensübereinkommen an Ägypten zurückgegeben und die Golan Höhen welche zu Syrien gehören wurden offiziell annektiert. Die Eroberung vom Westjordanland und Gaza von Jordanien (ein Land das diese Gebiete niemals wirklich haben wollte und froh war sie los zu werden, aber das ist eine andere Geschichte!) auf die sich viele als "die besetzten Gebiete" beziehen, brachte viele palästinensische Flüchtlinge zurück in die Hand der Zionisten. Die besetzten Gebiete wurden niemals an Israel annektiert, was bedeutet, dass die (arabischen) Bürger immernoch militärischer Herrschaft oder unzeitgemässen, alten Gesetzen unterworfen sind und sie nicht durch israelisches Gesetz geschützt werden. Andererseits erschuf Israel jüdische Siedlungen in diesem Gebiet in denen ihre Bewohner die selben Rechte wie die Bevölkerung in Israel geniessen. Das erschafft ein Apardheidsystem mit jüdischer Vormachtstellung. 1987 machten Palästinenser die in den besetzten Gebieten vom Westjordanland und Gaza leben einen Aufstand gegen die israelische Militärherrschaft was unter dem Namen "Intifada" bekannt wurde. Trotz militärischer Repressionen schaffte es die Israelische Regierung auf sowohl der "linken" als auch der rechten Seite nicht diesen zu Unterwerfen und sie mussten die Palästinenser als ein Volk mit dem Recht auf eine gewisse Autonomie anerkennen. Dieser Fakt, kombiniert mit dem Willen der PLO ein wichtiger Schlüsselspieler unter den Palästinenser zu bleiben führte zum "Osloer Abkommen" und zum sogenannten "Friedensprozess". Aber dieser "Friedens"prozess konnte das Wohl des grössten Teils ihrer Einwohner nicht wirklich verbessern. Der Autismus und Zynismus der verschiedenen israelischen Regierungen Mitte und Ende der 90er, kombiniert mit einer korrupten von Arafat geführten Macht führte zu einer riesigen Unzufriedenheit innerhalb der Gebiete. Ab einem gewissen Punkt (Sommer 2000) konnt sich selbst Arafat nicht mehr mit den kläglichen, durch den damaligen Premierminister Barak gemachten "Zugeständnissen" abfinden und die Folge war die "El Aqsa Intifada", dem momentanen Blutvergiessen, dessen Zeuge wir nun schon seit über einem Jahr sind. Warum ich die Intifada verteidige? Weil es offensichtlich ist, dass all die "Friedens"gespräche die seit Anfang der 90er geführt wurden das Leben der überwältigenden Mehrheit der Palästinenser bis jetzt nicht verbessert haben: eigentlich hat sich ihre Situation vor dem Beginn der zweiten Intifade sogar verschlechtert. Versteht mich nicht falsch, ich bin absolut gegen alle tödlichen Aktionen, die der israelischen Zivilbevölkerung gelten: ich finde sie total widersinnig für den palästinensischen Kampf und tatsächlich ist das der Hauptgrund weshalb diese verrückten Organisationen sie durchführen. Aber den gesamten oder grössten Teil des Kampfes als "religiösen Krieg" zu bezeichnen ist irreführend und falsch. Trotzdem müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass je mehr die Palästinenser unterdrückt werden, desto scheinbar mehr so mörderische Wahnsinnige wie die Hamas und den Islamischen Jihad etc. unterstützen. Die Lösung des Problems wird erst dann beginnen wenn die Israelis die Palästinenser nicht mehr als eine Last sehen, die es loszuwerden bedarf, sondern als Menschen die seit über einem halben Jahrhundert vom Staat Israel schikaniert wurden und die Frieden, Freiheit und eine gerechte Entschädigung fordern. Obwohl es mitte der 90er so schien als gäbe es einige Verbesserungen in dieser Richtung führte die letzte Intifade traurigerweise zu einer Verteufelung der Palästinenser durch die Medien, eine Sache die die Aufgabe im Moment sehr erschwert.
Israel ist aufgrund seiner Isolation von seinen Nachbarstaaten und seinem eigenen "Charakter" einer der verlässlichsten Alliierten in der Region, welche zufälligerweise eine von bedeutender Wichtigkeit für viele in den USA ansässige Unternehmen und für die amerikanische Wirtschaft als Ganzes ist - ich werde mich darauf auch nochmal kurz in der nächsten Frage beziehen. Die USA betrachten Israel jetzt schon seit vielen Jahrzehnten als für die Stabilität des Gebietes notwendig und trotz einiger Notwendigkeiten (z.B. für eine arabische Koalition gegen Irak / Afghanistan) die zu einer kleinen Kritik durch Israel führen könnten machen die USA es immer klar, dass sie keinen Druck, egal von welcher Seite auf Israel zulassen werden. Beweis dafür sind die unzähligen Einsprüche in der UNO, die die USA gegen Vorschläge, die als "zu Palästina freundlich" bezeichnet wurden, erhoben hat.
Der Irak, genauso wie die Taliban sind ebenfalls weitere Beispiele von alten Freunden die zu Feinden werden sobald sie es wagen sich einen kleinen Schritt aus den Anordnungen ihres Meisters zu entfernen. Während sie gegen den Iran kämpften wurden sie mit Waffen beliefert, aber als sie amerikanische Interessen, wie bei der Invasion in Kuwait gefährdeten gingen sie zu weit. Also stellt sich die Frage: "Wenn ein Tyrann an der Macht ist und die USA ihn stürzen will, was sollten wir (Anarchisten / Linksradikale) tun und welche Seite sollten wir unterstützen?" Natürlich ist das nicht einfach, da es mich auf der einen Seite nicht stören würde einen so blutdurstigen Größenwahnsinnigen wie Saddam Hussein ausgeweidet zu sehen. Aber auf der anderen Seite könnte eine Rechtfertigung des US Imperialismus auf lange Sicht sogar eine grössere Gefahr darstellen. Und die Leute sollten sich nicht durch die Rhetorik über die "Wiederherstellung von Demokratie" täuschen lassen: jetzt wo der grösste Teil der Welt "offene Märkte" besitzt wird das einzige Ziel der US Aussenpolitik sein sie offen zu halten, ungeachtet darauf was die Mehrheit der Bevölkerung denkt. Demokratien haben in Bush's amtsführenden Augen ihren Zweck erfüllt und die USA könnten auch, wann immer notwendig, damit beginnen sie los zu werden, obwohl das sogar wahrscheinlich auf raffinierte Art und Weise geschehen wird. Es wird immer einfach sein jegliche Alternative zur neo-liberalen Tyrannei als "populistisch", "demagogisch" oder "korrupt" zu etikettieren und sie deshalb US Interventionen zu unterwerfen. Die einzige Lösung die ich sehe ist die, dass alle Tyranneien öffentlich kritisiert werden und mensch gegen jegliche Art von Verletzung der Menschenrechte, wo immer sie auch geschehen (und ich bin kein moralischer Relativist - Menschen haben Rechte, ungeachtet ihrer sie umgebenden Kultur!) aber ebenfalls gegen falsche "moralische Kreuzzüge", die nur aus einem einzigen Grund (dem finanziellen Nutzen reicher Einzelpersonen) geführt werden, kämpft.
Wie es überall, v.a. in Gebieten wie Israel mit seinem Zwangswehrdienst, zu passieren scheint verliessen viele die Szene nach ein bis zwei Jahren. Trotzdem weigerten sich eine annehmbare Menge an Leuten entweder in der Armee zu dienen (wie z.B. sämtliche Mitglieder von Dir Yassin) oder brachten sich weiterhin in die Szene ein. Aber auf alle Fälle folgten eher wenige Leute, die nicht schon nach kurzer Zeit die Szene wieder verlassen haben dem DIY Ethos und waren bereit mit Musikpromotern etc. zusammenzuarbeiten. Also fing eine handvoll von uns an echte DIY Shows zu organisieren und eine kleine DIY HC Szene entstand rund um den "Left Bank" Club in Tel Aviv. Der "Left Bank" Club überlebte bis Anfang 2000 und seit da gab es keine echten DIY Veranstaltungen mehr. Es gibt immernoch einige coole Bands (wie Astroglides, Amnon Itzhak und Bar Minan) die DIY Shows an verschiedenen Orten organisieren und es gibt auch noch einige Zines. Aber was z.Zt. mit Hardcore in Israel passiert ist, dass er hauptsächlich für Werbezwecke von Schuhen, Skateboards oder anderer "cutting edge" Mode verwendet wird. Zumindest für mich ist das alles eine irrelevante Art von Musik und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich selbst wenn ich nun 15 Jahre alt wäre auf so einschläfernden Sound, wie er von Labels wie Epitaph, Fat Wreck, Victory usw. produziert wird scheissen würde. Ihnen fehlt das Gefühl von richtiger Wut, Gefahr und Rebellion, das Punk und Hardcore für mich am Anfang so anziehen wirken liess. Irgendwer schrieb (im MRR, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht!?), dass diese Bands, anstatt ihre Wut über die Spießigkeit, wie jene in den 80er Jahren aus sich rauszuschreien über spießigen Lifestyle singen. Ich stimme ihm voll und ganz zu. Aber wir sollten dennoch nicht zu oft der "guten alten Zeit" hinterherschauen, sondern uns darauf konzentrieren uns wichtigen Dingen zu widmen und selbst in den relativ engen Grenzen des HC kreativ zu sein.
06.04.2002
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